InSound feiert 20-jähriges Bestehen mit Live-Musik und Workshops in der Halle400

 

Kiel – "Weg vom bürgerlichen Musikgeschäft mit Blockflöten und Klavieren, hin zu Angeboten aus den Bereichen Rock'n'Roll, Jazz, Studio und Proberaum. Das war unser Ding!" Andreas Großmanns Augen leuchten immer noch, wenn er über die Anfänge von InSound erzählt. Der Kieler Laden in der Gablenzstraße ist erste Anlaufstelle für lokale und überregionale Musiker, die neues Equipment oder professionellen Rat benötigen.

Seit 20 Jahren sind Kiels Musik-Szene und InSound somit untrennbar miteinander verbunden. Jetzt wird gefeiert: Mit über einem Dutzend Bands und hochkarätigen Workshops soll am 5. und 6. August in der Halle400 das Jubiläum begangen werden. Großmann ist ein Fachmann, durch und durch. Gleich zu Beginn erkennt er auf dem T-Shirt des Interviewpartners eine Resonator-Gitarre, die auch Dire Straits' "Brothers In Arms"-Album ziert. Genaue Bezeichnung, Herkunft, Verwendung – der 53-Jährige kann eben nicht anders. Das war auch vor 26 Jahren so, als der Hamburger Gitarrist als Verkäufer in der Kieler "Musikstation" arbeitete und dort zum ersten Mal auf den Schlagzeuger Jörg Grams (45) stieß. Schnell war beiden klar, dass dies nicht ihre letzte Arbeitsstelle sein würde.

"Nach fünf Jahren musste für mich was Neues her. Also beschlossen wir, einen Musikladen aufzumachen, den es bis dahin in Kiel nicht gab und der sich eher an solchen in anderen großen Städten orientierte." Beim Eiderkrug in Schulensee bezogen sie einen 100 Quadratmeter-Raum unter dem Namen "Soundhaus". Drei Monate lang, bis eine Abmahnung von der Industrie- und Handelskammer kam, man sei schließlich kein ganzes Haus. Großmann vermutet dahinter die Missgunst von Mitbewerbern, die schließlich zu dem "geilen" Namen InSound Professional Music Equipment GmbH geführt habe. Bereits 1993 musste mehr Fläche her, so dass man in die jetzigen zwei geräumigen Ebenen unterhalb der Gablenzbrücke umzog.

Die Geschäftsidee von InSound geht über den reinen Handel hinaus – es geht auch um den Kontakt zur Szene, wenn etwa das Wilwarin-Festival mit einem Schlagzeug bestückt wird oder auch die Showbox in der Pumpe. Bereits zum Zehnjährigen wurde ein Abend in der Traum GmbH gefeiert; zum 20-Jährigen dementsprechend mit einem zweitätigen Programm mit Kieler Bands wie Dog Eared Pages oder Das Goldene Handwerk, die zumeist auch Kunden sind und zu denen man einen engen Draht hat. "Uns war es wichtig, dass es keinen überregionalen Headliner gibt, sondern alle auf einem Level stehen", bestätigt Großmann. Workshops, Musikerflohmarkt und eine offene Bühne zum Ausprobieren des Materials runden das Wochenende ab.

Wenn Großmann über Veränderungen in den Geschäftsjahren nachdenkt, schießt es aus ihm heraus: "Der Umbruch durch das Internet-Zeitalter. Vorher war alles sehr regional bezogen, die Kundenklientel ging von Flensburg bis Lübeck. Seitdem herrscht eine unglaubliche Transparenz im Markt, mit Anfragen von überall her. Gut so! Die Kunden wissen genau, was sie woanders für welchen Preis bekommen." Man sei zwar kein Online-Shop, aber per Mail-Kontakt können Bestellungen aufgenommen werden. Zu schaffen mache ihm in den letzten Jahren die Billig-Welle quer durch alle Instrumentengruppen, vor allem durch das Aufkommen der Low-Cost-Produktion in China. War vor 20 Jahren eine Gibson Les Paul der Standard einer E-Gitarre, ist es mittlerweile eine Epiphone Les Paul. Gleicher Name, aber kostengünstigere Herstellung in Südostasien. Oft werde dadurch jedoch der InSound-Qualitätsanspruch unterschritten ("Ein Mikroständer für vier Euro kann nichts taugen!"), so dass vor zwei Jahren eine Gegenbewegung eingeleitet wurde: nur hochwertige Ware, die die Kunden mittlerweile auch zu schätzen wissen.

Ein Markenzeichen von InSound besteht in der Einstellung junger Mitarbeiter – möglichst aus der Musikerszene kommend – und deren lockerer Umgang untereinander und im Kundengespräch. Diese besondere Note fördert auch die Doppelspitze Großmann und Grams. Klappt die Zusammenarbeit auch nach so langer Zeit? "Aber hervorragend! Eine Geschäftspartnerschaft hat Momente einer eheähnlichen Beziehung: Man weiß ganz genau, wo die roten Knöppe sind, die man drücken oder bewusst vermeiden kann." Verbesserungswünsche hat Großmann lediglich beim generellen Interesse am Musizieren und Bandspiel. "Besonders im Norden ist das nicht besonders hoch", bedauert er. "Südlich des Mains gibt es wesentlich mehr Clubs, mehr Konzerte, mehr Bands, höhere Gagen. Ich persönlich freu mich zumindest über jede neue Punkband in Kiel!"

5./6. August, 20 Years InSound, Halle400, jeweils ab 13 Uhr; Infos unter www.insound.de – Workshopschutzgebühr inkl. Konzerte (Tageskarte: 7 Euro, Dauerkarte: 12 Euro)

 

Sonnabend, 5. August

Takamine/Ovation Workshop mit Ralf Sommerfeldt/Olaf Jackwert (13 Uhr), Vox Workshop mit Holger Gast (14.30 Uhr), Jacques Bono: Music For Cello On Bass (16 Uhr), Benny Greb, Deutschlands neuer Trommlerstar (17.30), Two Blonde (Acoustic Fun Cover, 19 Uhr), The Craxx (Rock Cover, 20 Uhr), Knott (Melodic Rock, 21 Uhr), Double NB (Alternative Rock, 22 Uhr), Dog Eared Pages (Power Pop, 23 Uhr), Arcane Legion (Metal, 24 Uhr)

Sonntag, 6. August

Matthias & Die Zappelbande (Musik für Kinder, 13 Uhr), Roland E-Drumming Workshop mit Dirk Brandt (14.30 Uhr), Sandberg E-Bass Workshop mit Reggie Worthy (16 Uhr), B-Key Acoustic Band (17.30 Uhr), Southern Club (Acoustic Cover, 18 Uhr), Haba Haba Sud Sud (Blues, 19 Uhr), Langton (Singer-/Songwriter-Rock, 20 Uhr), Sprottenrock (Deutschrock, 21 Uhr), Das Goldene Handwerk (Reggae, 22 Uhr), Tequila & the Sunrise Gang (Ska-Funk-Reggae, 23 Uhr).

Von Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1915011