Jan Gazarra - Saint George Lullabye

 

Du gehst durch die Straßen in der warmen Sommerluft. Die Nacht ist sternenklar, alles ist klar, du fühlst es in deinem Herz und siehst es in den Augen der lächelnden Menschen: Liebe regelt. “Love Rules”, der Titelsong von Jan Gazzaras neuem Album auf Sunday Service, verkörpert die zwei Gesichter des Hamburgers: das Auf und Ab der Gefühle. Der 38-Jährige kam 1996 aus Stuttgart an die Elbe und veröffentlichte 2002 sein Debüt “I’ve Come To See You Once Again” mit Gästen wie Thies Mynther oder Peter Kersten (a.k.a. Lawrence) auf Lado. Auch dieses Mal wieder an Bord: Carsten “Erobique” Meyer und Jörg Follert (a.k.a. Wechsel Garland). “Ich bin so froh, dass die Platte nur mit der Hilfe von Freunden entstanden ist, sowohl im Studio als auch das Cover-Artwork.” Gazzara hält weiter an der schlüssigen Fusion von Songwritertum und Elektronik (“The Actress”) fest, ein Gang durch wechselnde Gefühlslagen, der von Liebe aus vier Jahren und mehreren Adressatinnen handelt, gespiegelt in zehn wundervollen Songs.

Es gebe sicher Themen, so Gazarra, über die man auch singen müsste, beispielsweise über Politisches – “Upstairs Of Social Hell” deutet ja zumindest im Titel die sozialen Missstände vor seiner Haustür an. Und “Saint George Lullabye” ist vordergründig eine Hommage an den lieb gewonnenen Stadtteil, im Grunde aber ein Schlaflied für die Ex-Freundin. Der brüchige und sehr charakteristische Gesang unterstützt dabei den melancholischen Unterbau. “Ich lebe in einer Generation von Menschen mit zerbrochenen Ehen, Beziehungen und Familien, die umherirren und sich nach Liebe sehnen – aber niemand kann es mehr so richtig.” Manche Redewendung übersetzte Jan Gazarra ganz stumpf aus dem Englischen, das kommt ebenso charmant wie seine Zitat-Wut – bei “Country Roads” schimmert beispielsweise Foreigners “I just died in your arms tonight, must have been something you said” durch.

Text: Henrik Drüner

Intro-Feature #142