Jane O’Brien and Band im Lutterbeker

 

Eine Textzeile aus einem ihrer neuen Songs, „My Sanctuary“, sagt möglicherweise vieles über Jane O’Brien aus – beziehungsweise über ihren derzeitigen Seelenzustand: „And now I’m free, I’ve found my sanctuary“. Die in Hamburg lebende Dublinerin hat eine Zufluchtsstätte gefunden, eine schützende Burg, in der sie weiter Lieder schreibt; und die sie nur manchmal verlässt, um mit ihrer Band zum wiederholten Mal im Lutterbeker aufzutreten.

Doch vor dem Finden steht immer die Suche. O’Brien probierte in den letzten Jahren ganz verschiedene Musikstile aus: ein TripHop-Projekt, Irish Folk und auch A Cappella wechselten sich ab. Diese Erfahrungen bündelte die kleingewachsene Sängerin und ließ sie nach einer Mutterschaftspause in die frischen Kompositionen einfließen. Mit ihrer sowohl kraftvollen als auch samtenen Stimme prägt sie ihren eigenen Stil des Songwritings, mit einem ebenso humorvollen wie kritischen Blick auf das Leben. Realistisch also.

Oft waren es Befindlichkeiten, die O’Brien thematisierte, beispielsweise bei „So You Don’t Love Me“: besser klare Trennungsworte als geheuchelte Ausreden von bevorstehenden Diplomarbeiten, Wohnungsrenovierungen oder dergleichen. Schluss damit! Symbolisch die letzten Worte des Songs: „So there’s the door!“ Der oft autobiographische Hintergrund ihrer Texte förderte zudem das Gefühl von Authentizität. „My Time“ widmete sie ihrem Fahrrad als besten Freund und Beschützer in Hamburgs dunklen Straßen, ein anderer Song beschrieb die Geborgenheit in Mutters Armen, „Disco“ dagegen nahm Fahrt auf, erzählte von den Schulpartys und der Flucht mit Ingrid auf die Damentoilette, um dem Engtanzhorror zu entkommen.

Ihr zur Seite standen Carsten Körtling am fünfsaitigen E-Bass, Martin Stieber (Schlagzeug) und Andreas Günther (Keyboards). Stieber spielte sehr präzise und dynamisch, teilweise zu laut an der Snare, wodurch die Intimität der Texte etwas verloren ging - mit dem Besen wirkte es umso musikalischer. Äußerst seelenvoll zeigte sich Günther an den Tasten: Er produzierte nicht nur einen angenehmen Retro-Klangteppich, sondern war auch Melodiegeber, bereicherte den Bandsound mit rhythmisch punktierten Akkorden und variantenreichen Läufen der rechten Hand. Tanzbarer Jazz-Pop, der sich in den Refrains noch weiter aufhellte und dann klare Harmonien und Gesangslinien mit Wiedererkennungswert offen legte. Zusätzlichen Reiz brachten die Spoken Word-Strophen bei „Blooming“, inklusive dem Bonus einer Muttersprachlerin. Jane O’Briens Herkunft von der grünen Insel wurde bei der Zugabe deutlich, in der sie einen frivol-erotischen Text mit der Bodhrán, einer keltischen Handtrommel, begleitete. Daher auch die Farbe ihres Lederkleides?