Johnny Liebling kommen in den Orange Club


Kiel – Man spürt förmlich, dass diese Herren wissen, wovon sie singen. Vor allem hört man, dass es ihnen Anliegen, Erlösung und Erleichterung ist, diese Musik so und nicht anders zu spielen. Was Johnny Liebling auch fabrizieren, es ist immer Lieblingsmusik. Und mit der musikalischen Einordnung hat sicher nicht die Band, dafür aber die Plattenfirma ihre Probleme: Von Schicksals-Schlager, Polka-Jazz und Bukowski-Beat ist die Rede, um dieser einzigartigen Mixtur irgendwie einen Namen geben zu können.

"Wir haben eben nicht danach geschielt, ob das jemand so hören will oder nicht", beschreibt Martin Fekl (Piano, Gitarre) die neu gewonnene Freiheit. Schließlich hatte man ihnen schon Mitte der 90er, als große Teile der Hamburger Band noch als Lovekrauts unterwegs waren, einen goldenen Stern am Popfirmament prophezeit. Daraus wurde nichts, die Band konnte Erfahrungen sammeln – wenn auch nicht unbedingt gute.

Vielleicht rührt daher auch die Wahl des Bandnamens. Er stammt aus dem Film Angel Heart, in dem es um die Geschichte eines Sängers geht, der seine Seele an den Teufel verkauft, um Erfolg zu haben. Im Alleingang und ohne Vorgaben erarbeiteten sich Johnny Liebling ihren Sound, erst bei "Dope Jazz" (2003) und nun auch auf der aktuellen CD "Goldene Zeiten". Die wahrscheinlich älteste Newcomerband des Landes setzt sich hier erneut stilsicher in Szene – etwa so, als würde man eine Kneipentür öffnen und dahinter ein Universum entdecken. Einen ungeschminkten Mikrokosmos voller Vampire, Vagabunden und Feiglinge, mit textlichen Referenzen zu Bukowski, Kinski und Hemingway. Auch klanglich wirkt das Album sehr direkt und unverfälscht, weil Johnny Liebling alles live und gemeinsam im Studio eingespielt haben "Wir sind zusammen gekommen, um endlich wieder miteinander Musik zu machen", erzählt Leadsänger Kris Kiel, der auf der Bühne den Elvis-Hüftschwung perfekt imitieren kann. "Ursprünglich war es nur für uns gedacht. Aber wir haben schnell gemerkt, dass es eigentlich nur auf die eine Art geht: die ganze. Wir machen Musik aus Leidenschaft. Das ist unser Weg." Umgeben wird er von vier Herren in maßgeschneiderten Anzügen: Ralph Beulshausen (Gesang, Trompete), Kim Kiesling (Bass), Rüdiger Hensel (Schlagzeug) und Martin Fekl.

Im Vorprogramm trifft der kettenrauchende Plattenjunkie und Staatsdiener Sven Waide auf die 21-jährige Kunststudentin Janneke Hambücher, geregelte Arbeitszeit auf Künstlerseele, Realität auf Ideenwunder, Flensburg auf Dänemark, Pop auf Punk und so weiter. Gemeinsam sind sie Porno Pony, mit einer Riesenportion Spaß und rotzfrechen Texten im Gepäck. Ohne Anspruch auf musikalische Höchstleistungen rocken sie mit Bass und Stimme strikt nach dem Motto: einfach mal anfangen und schauen, was passiert. Ruhig und flippig, nachdenklich und spontan zugleich schlittern die ungleichen Seelenverwandten mit Begeisterung durchs Leben. Das Debütalbum "Anker Herz und Taube" mit der Single "Schüttel dein Arsch" beweist es.

Morgen, 21 Uhr, Orange Club/Traum GmbH (Support: Porno Pony, Flensburg)

Von Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/pdf/?id=1832324