Interview mit Kai Hellebrandt: "Es ist nicht immer nur ein finanzieller Spagat"

Passend zum vierten Geburtstag des Luna feiert der Club in der Bergstraße an vier Tagen sein Bestehen und die mittlerweile bundesweite Popularität bei Gästen, Musikern und DJs. Verschiedene Themenabende charakterisieren das Ziel, Vielfalt anzubieten, ohne in wahllosen Freistil zu verfallen.

Vor zwei Jahren startete euer neues Logo "Nacht.Club.Kultur" mit Filmabenden, Lesungen und Jazzkonzerten abseits der DJ-Sessions. Wie fällt die Bilanz aus?

Hellebrandt: Im Laufe der Zeit hat sich das Wochenprogramm verfeinert und auch durchgesetzt, also Jazz am Mittwoch, Filmclub donnerstags usw. Am Beispiel der Jazzkonzerte sieht man zudem, wie neben den jungen auch ältere Gäste positiv von der heutigen Clubkultur überrascht sind – was auch andere Veranstalter anspornt, mehr in diese Richtung zu machen. Genauso steht es mit dem regelmäßigen Drum&Bass-Abend "Subsonic Pressure". Vor zwei Jahren hätte niemand gedacht, dass dieser Stil einmal an verschiedenen Orten in Kiel angeboten werden würde. Das wiederum führt dazu, dass die Leute sagen: Yo, da geht was!


Musst du oft Kompromisse beim Programm eingehen?

Klar, das ist nicht immer nur ein finanzieller Spagat. Wir versuchen, nicht allzu sehr dem Mainstream zu frönen – auch wenn Mainstream nicht gleichzusetzen ist mit "schlecht" oder "Kommerz". Der Auftritt von Lexy&K-Paul zur Kieler Woche zeigte doch, wie überraschend gut diese Schnittmenge im Club funktionieren kann. Aber es ist nicht mehr gang und gäbe, diesbezüglich ein großes Risiko einzugehen. Entscheidend ist, dass wir voll hinter dem stehen, was wir machen.


Gibt es dennoch neue Ansätze?

Im letzten Jahr haben wir damit angefangen, in Verbindung mit dem "Listening In"-Abend verstärkt Gitarren-Pop-Bands einzuladen. Da kam in der Vergangenheit viel positive Resonanz, so dass der Zweig wohl weiter ausgebaut wird. In Kiel besteht auch mehr Bedarf dafür – trotz regelmäßig guter Konzerte in der Hansastr. 48 oder der Schaubude. Bei den DJ-Veranstaltungen sieht man, dass sich – auch bei den lokalen DJs – eine immer stärkere stilistische Spezialisierung durchgesetzt hat. ElectroTechnoHouse beispielsweise ist derzeit sehr populär.


Wie sieht die Aufgabenverteilung bei euch aus?

Im Hintergrund halten wir als Dreierteam den Laden am Laufen: Kai Jaenicke kümmert sich um das Technische, Michael Bartmann ist für die Buchhaltung und den gastronomischen Bereich zuständig, und ich bin für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Programm verantwortlich. Die Ressorts überschneiden sich aber auch – der Club ist schließlich unser Wohnzimmer! In den abendlichen Betrieb sind wir alle mit eingebunden, sei es als Springer, der am Tresen unterstützt, als DJ oder einfach nur als Gast.


Wen würdest du buchen, wenn du die Wahl hättest?

Persönlich würde ich Coldcut gerne mal einladen. Die beiden sind Pioniere der Clubmusik. Die Frage ist, ob die noch Lust hätten{hellip} sind ja schon Mitte 40 und bleiben vielleicht lieber zu Hause bei Frau und Kind!?

Heute: Stefan Schultze Trio (Köln), 21 Uhr; morgen: Upperfloor: Phonosofa (23 Uhr), sisco (24 Uhr), Jaime (1 Uhr), Beatfreak (2 Uhr); Dancefloor: Bright (24 Uhr), Gem.co (1 Uhr), Turnstyle (2 Uhr), Subsonic Pressure (3 Uhr); Freitag: Upperfloor: Curtis Newton (23 Uhr), Copilot (24 Uhr), Jelto (1 Uhr), Inge & Ingo Hirschbek (2 Uhr); Dancefloor: Bright (24 Uhr), Carlito 76 & Doc Paul (1 Uhr), Flurpatrouille (2 Uhr), Till von Sein & Xenon (3 Uhr); Sonnabend: Upperfloor: Bright (23 Uhr), Willie (24 Uhr), DJ Chris (1 Uhr), Aera Elleph & Col.Cut (2 Uhr); Dancefloor: Lovely Vibes (24 Uhr), Quadrophonia (1 Uhr), Soulfood (2 Uhr), StarBeatSoundsystem (3 Uhr)

nordClick/Kieler Nachrichten vom 08.09.2004 01:00