Diskret kritischer Gitarrenpop: Kajak kommen ins Kieler Weltruf

 

Auf das Hamburger Netzwerk von Musikern ist weiterhin Verlass. Der rege Austausch von Bandmitgliedern im Zusammenspiel mit befreundeten Labelmachern und DJs spült immer neue Projekte an die Oberfläche, deren Ideen sich gegenseitig befruchten. Offene Strukturen verhindern Stillstand. Bei Kajak verhält es sich ähnlich: Deren Kopf Matthias Rothaug, 34, spielte schon bei Fink oder Die Braut haut ins Auge, bevor er sich mit Sandra Zettpunkt und Jens Fischer zusammentat, um das aktuelle Album „Tief drinnen - weit draußen“ in Bandbesetzung auf die Bühne zu bringen. Am Freitag kommen Kajak ins Weltruf – im Gepäck diskret kritischer Gitarrenpop, der mit Anspruch und Texttiefe verwöhnt.

KN: Dein drittes Konzert in Kiel, zum dritten Mal in anderer Besetzung…
Rothaug: Ja, das scheint irgendwie mein Markenzeichen zu sein. Mit dem damaligen Partner Andreas Reth schockte es irgendwann nicht mehr. Wir haben uns musikalisch schlicht auseinander entwickelt, verstehen uns heute aber besser denn je. Zuletzt spielte ich alleine in der Schaubude, nur mit Gitarre und etwas Background vom DAT-Rekorder. Und auch mit der aktuellen Formation wird es nur noch zwei Konzerte geben, da Sandra im August nach Bern ziehen wird. Sehr schade, da wir drei wunderbar harmonieren. Also muss ich mich um Ersatz am Schlagzeug kümmern.

Ist die Suche auf diesem Niveau schwer?
Nun, neben der aktiven Bandszene ist es auch ein Vorteil für mich, in einer Kneipe zu arbeiten. Da lernt man sehr schnell Musiker kennen – bei Bassist Jens kam der erste Kontakt zumindest auch am Tresen zustande.

Wie verliefen die Aufnahmen zum aktuellen Album?
„Tief drinnen - weit draußen“ spielte ich im vergangenen Jahr beinahe im Alleingang ein. Sämtliche Spuren hab ich vorproduziert und bin dann damit ins „Electric Avenue Studio“ von Tobias Levin (als Produzent auch bei zahlreichen deutschen Bands, z.B. Tocotronic und Kante, an den Reglern, Anm.d.Verf.). Unterstützung bekam ich jedoch von Bernadette La Hengst, die bei drei Songs ein zusätzliches Akkordeon aufnahm. Dank meiner Erfahrung vieler Songwriting-Jahre verströmt das Album eine gewisse musikalische Gelassenheit und vermittelt ein Gespür für raumgreifende Melodien. Mit Sandra und Jens hab ich die Studiosongs schließlich in einen Bandkontext übertragen. Teilweise wurden die Arrangements geändert oder Backgroundgesang hinzugefügt, aber der Kern blieb erhalten.

Hatte Levin Einfluss auf die Stücke?
Sehr sogar! Tobias ist sehr musikalisch und leidenschaftlich bei der Sache - bei zwei Songs verbesserte er sogar meine Gesangslinien. Da wir ohne Druck vonseiten des Labels arbeiten konnten, hatten wir viel Zeit und investierten etwa eine Woche pro Song. Levin packte liebend gerne die Effektkiste aus, wollte ständig neue Geräte ausprobieren und ließ die Gitarre teilweise wie einen Synthie klingen. Ich denke, man erkennt seine Handschrift auf der Platte.

Wie geht es mit Kajak weiter?
Im August beginne ich mein Referendariat an der Gesamtschule in Wedel. Trotz 1,4-Abschluss hat es nicht für Hamburg gereicht…aber die Fächerkombination Deutsch, Geschichte bzw. Weltkunde ist wohl zu beliebt. Ich werde versuchen, nebenbei mit der Musik weiterzumachen und die nächsten Songs nach und nach aufnehmen. Die deutschen Texte sind dabei keine Grundvoraussetzung – könnte in Zukunft also auch auf Englisch sein.

Deine Schlagzeugerin Sandra ist im Weltruf gleichzeitig auch deine Vorband…
Ja, ihr Songwriter-Projekt heißt Music For Your Heart. Einige werden ihre Stimme durch die Hamburger FSK-Radiosendung „Sunday Service“ kennen. Ihre fragilen Gitarren-Songs folgen einem künstlerischen Selbstverständnis, das nach eigenen, zumeist leiseren Ausdrucksformen strebt. Sehr anmutig und schön!

Freitag, 13.Juli, 21 Uhr, Weltruf: Kajak (HH), Support: Music For Your Heart

 

Quelle im Internet: http://www.kn-online.de/artikel/2182946