Verbraucherfreundlicher Anzugrock vom Hamburger Quintett Kante


Es rauschte gewaltig im Feuilleton-Blätterwald, als Kante Anfang 2001 Zweilicht gebaren. Ein entzücktes Aufhorchen, ein Rätseln der Dinge angesichts dieses Meisterwerks. Für Hörer, die ein genreübergreifendes, universelles Interesse an Musik zeigen, gab es wieder eine deutsche Band, die die Kombination aus Wort und Ton perfekt auf Albumlänge umzusetzen vermochte. Ein reifes Werk, das zusätzlich noch bereichert wurde durch Die Summe der einzelnen Teile, dem Indiedisco-Hit, der sich um das Gefühl dreht, dass eine Band eben mehr sein kann als eine Zweckgemeinschaft zum gemeinsamen Musizieren. Der Nachfolger Zombi aus dem letzten Jahr bestätigte die Vorreiterrolle von Kante und sprengte erneut den Rahmen von Pop und anderen Hörgewohnheiten.

Das Hamburger Quintett besteht seit 1995, hervorgegangen aus der Sandkastenfreundschaft von Peter Thiessen (Sänger und Songschreiber) und Schlagzeuger Sebastian Vogel. Andreas Krane (Bass), Felix Müller (Gitarre) und Thomas Leboeg (Klavier) komplettieren die Band, die nach dem Debüt Zwischen den Orten (1997) und dem Nachfolger Zweilicht auch Zombi bei der Berliner Plattenfirma Kitty-Yo veröffentlichte – zuletzt in Zusammenarbeit mit Labels. Stetig erweiterte sich das musikalische Bezugsfeld von Kante, mäandrierte in Richtung Pop, Blues und Jazz bis hin zu elektronischer Musik.

Bläser, Streichorchester und ein Chor sind zu hören, obgleich Gesang und Texte eine zentrale Stellung einnehmen. "Die Dinge, über die ich schreibe, sind natürlich zum großen Teil Dinge, die mir sehr nah sind" betont Thiessen, der bis 2002 auch Bassist bei den gleich gesinnten Blumfeld war. "Aber ich glaube, dass das eigentlich allen so ähnlich geht, die auch 'dunkle' Gefühle kennen; Situationen, in denen einem alles ausweglos vorkommt. Außerdem schätze ich die eigene Qualität von Sprache, das Texturhafte, das Mehr- und Vieldeutige."

Dem Produzenten Tobias Levin sowie Mischer Olaf Opal gilt der Verdienst – trotz Songlängen von teilweise zehn Minuten –, diesen Brocken verbraucherfreundlich gestaltet zu haben: in einer vielstimmigen und erhabenen Fülle, ohne dabei auf Funktionalität verzichten zu müssen. Der Titelsong beispielsweise entspricht laut Presse-Info "Anzugrock vom Feinsten: für Dorffreaks und Modespezies gleichermaßen geeignet". Auf der Bühne wird die Besetzung noch durch zwei Bläser und Percussion verstärkt und somit zu einem opulenten musikalischen Erlebnis. Musik zum Zuhören, Schweben und Fallenlassen.

Donnerstag, 21 Uhr, Pumpe.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 17.02.2005 01:00