Zarte Lieder mit starker Wirkung: K.C. McKanzie und Zac Galen in der Schaubude

Von Henrik Drüner

 

Mit hochgezogenen Schultern und schüchternen Bewegungen betritt sie die Bühne der Schaubude. Rotes Kleid, schwarze Stiefel, die dunklen Haare eng am Kopf anliegend. Die Selbstsicherheit, die K.C. McKanzie auf den ersten Blick nicht ausstrahlt, entfaltet sich erst beim Singen. Es scheint fast so, als bündele sie die Körperspannung komplett in ihre Stimme, die einerseits fragil, andererseits rein und einnehmend klingt.

Die 24-jährige Berlinerin mischt die Spielarten des Folk und Country, lediglich unterstützt von ihrer Gitarre und Joe „Budi“ Budinskys dezenter Begleitung an Kontrabass und Banjo. Höchst unprätentiös und frei von Affektiertheit spielen sie die kurz gehaltenen Songs, zarte Lieder über Seeleute, Liebe oder den „Whiskeyman“. Obwohl auf der Bühne wenig passiert - keine Showeinlagen, keine Agilität oder prollige Ansagen - schwingt doch so viel Dynamik, Wärme und Emotion mit, dass die zwei Dutzend Zuschauer gebannt den Geschichten lauschen. Das letzte Album heißt nicht von ungefähr „Weird Tunes From A Wild Mind“, denn die Songs sind intensiv, vertraut und nachdenklich stimmend zugleich.

Auf der tonalen Grundlage simpel geschlageners und gezupfter Gitarrenakkorde entlädt K.C. McKanzie ein enormes Ausdrucksvermögen. Sie entführt trotz des puristischen, traditionellen Ansatzes in eine weite musikalische Welt, die zwischen zeitlosen Songwriter-Balladen („The Saddest Bird“ oder „Ballad Of A Fair Maid”), Folk-Songs im Stile der 60er und 70er Jahre sowie reduzierten Bluegrass-Stücken pendelt. Privat hört sie gerne Dolly Parton, Kate Bush, Tori Amos und Bonnie „Prince“ Billy - und diese Einflüsse schimmern angenehm durch ihr Songwriting.

Gegen Ende des Programms erweitert die Slide-Gitarre von Zac Galen den Klangraum der Arrangements: klagend gezogene Sounds, wunderbar mit den Gesangslinien harmonierend. Galen war es auch, der den Abend mit entschlackten Versionen von Hendrix’ „The Wind Cries Mary“, „Dancing In The Dark“ (Bruce Springsteen) oder Stevie Wonders „Higher Ground“ einleitete. Schon da anerkennendes Nicken am Tresen - „der hat’s drauf“. Auch bei ihm liegt die Stärke in der erstaunlich prägnanten Soul-Stimme, ergänzt durch Gitarre und Budinsky am Schlagzeug.

Ein für die Schaubude sehr zartes, persönliches und unaufgeregtes Konzert. Die Tour von K.C. McKanzie wird beendet sein, bevor das bereits fertig produzierte Album veröffentlicht ist. Eine blöde Situation für die Band, klar. Aber für die Zuschauer jedoch ergibt sich so die Hoffnung, dass das Berliner Duo wiederkommt. Mit neuen Songs, neuen Geschichten - und der ans Herz gewachsenen Stimme McKanzies.