Zweimal stilistischer Spagat: HSH Nordbank Bühne und mobilcom-Bühne auf der Kieler Woche 2006


Kiel – Ohne Sponsoring geht's anscheinend nicht mehr. Beinahe sämtliche Großveranstaltungen, egal ob Sport, Kultur oder Freizeit, werden heute von Unternehmen subventioniert oder komplett finanziell getragen. Dafür stehen sie mit ihrem (guten) Namen.

Auch die HSH Nordbank zeigt auf der Kieler Woche Flagge: als Namensgeber des Abschlussfeuerwerks "Sternenzauber über Kiel", der Segel-Pannenhilfe "blue repair service" und der Bühne auf dem Rathausplatz. Dort bahnt sich gleich am morgigen Freitag (16. Juni, 21 Uhr) mit Sydney Youngblood und der Band Eye-No ein erstes Highlight an. Vor dem Bruch im Jahr 1994 scheffelte der Sänger aus San Antonio, Texas, genügend Goldene Schallplatten, um damit das Musikzimmer zu tapezieren. Verantwortlich dafür waren vor allem die beiden Hits "Sit And Wait" und "If Only I Could". Dass er auf sie nicht angewiesen ist, bewies Youngblood im vergangenen Jahr beim Duckstein-Festival an der Hörn. Aber keine Sorge: Er wird die Gassenhauer wohl trotzdem spielen. An seiner Seite steht die Band Eye-No, die sich aus sechs Profimusikern verschiedener Nationalitäten zusammensetzt. Ausgefeilte Arrangements und ein perfekter Sound in Verbindung mit der außergewöhnlichen Stimme Youngbloods sind die Garantie für ein unvergessliches Live-Erlebnis.

Bereits neunmal war der gebürtige Brite Wayne Morris (Gitarrist und Sänger) zu Gast bei der Kieler Woche – dementsprechend trägt das diesjährige Programm der Wayne Morris Band (19. Juni, 21 Uhr) den Titel "Ten Years Jubilee Concert". Als besonderes Bonbon konnte Rick Parfitt als Gastmusiker gewonnen werden: Nach einer diagnostizierten Kehlkopferkrankung ist der Status Quo-Sänger und Gitarrist wieder fit, um den Wahl-Hamburger Morris und die weiteren Musiker Katie Freudenschuss (Keyboards), Karl Fornia (Bass) und Martin Engler (Schlagzeug) beim Kiel-Jubiläum zu unterstützen.

Das kulturelle i-Tüpfelchen verspricht Appassionante (21. Juni, 20.30 Uhr), wenn die drei Opernsängerinnen Stefania Francabandiera, Mara Tanchis und Emma Ahren mit italienischem Temperament auf Violinist Lucas Wecker und das Philharmonische Orchester Kiel unter der Leitung von Georg Fritzsch treffen. Geplant ist eine Kernschmelze von Klassik und Pop, gesichert ist ein Fest für Auge und Ohr.

Auch auf der mobilcom-Bühne nahe der Reventloubrücke gehen die Musikstile zumeist über Kreuz. Orange Blue (17. Juni, 20.45 Uhr) stehen für Breitwand-Pop, powered by emotions. Vor fünf Jahren feierten Vince Bahrdt und Volkan Baydar mit der Single She's Got That Light ihren Durchbruch. Seitdem versucht das Hamburger Duo, seine Songs mit neuer Rhythmusgruppe und zwei Sängerinnen verstärkt in Richtung R'n'B/Gospel zu bringen. Country goes Classic heißt es am Sonntag (18. Juni, 20.45 Uhr). Das 30-köpfige Symphonie-Orchester "Junge Symphoniker{rdquo} aus Prag wagt den Zusammenstoß mit einer namhaften Country-Formation (Sopranistin Deborah Sasson, Opernsänger und Moderator Gunther Emmerlich, Willi Bräutigam alias Tom Astor und Jonny Hill).

Nach mittlerweile 30 Jahren als Band muss zu Torfrock (19. Juni, 20.45 Uhr) in nördlichen Gefilden wohl kaum noch etwas gesagt werden. Die Torfstecher-Geschichten um Charaktere wie "Willi Wühlkelle", "Presslufthammer B-B-B-B-Bernhard", den Torfstechermeister "Adular Zech" oder Baggerführer "Hannes Kabeltod" aus Torfmoorholm sind bei vielen besser im Gedächtnis verankert als Goethe-Gedichte. Torfrock oder Watt?

Ähnlich sieht das wohl Lotto King Karl (20. Juni, 20.45 Uhr). Der Radiomoderator, B-Prominente und HSV-Stadionsprecher ist "born to rock", mitsamt seiner Barmbek Dreamboys. In den Songs dominiert Lokalkolorit, also Reeperbahn, Elbe und Hopihalido (Holsten Pilsener, Halb-Liter-Dose).

Zurück in die 80er geht es mit Alphaville (22. Juni, 20.45 Uhr). Vor 20 Jahren war der SynthiePop aus Münster in aller Ohren und ging um die Welt. An die ersten Erfolge konnte die Band um Sänger Marian Gold seitdem nicht anknüpfen, aber vielleicht sind Alphaville ja Forever Young und immer noch Big In Japan.

Von Henrik Drüner

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