Koop - Musik für die Insel

Wellen schlagen ans Ufer, Seevögel schreien, eine sehnsüchtige Melodie erklingt. Musik wie aus dem Reiseprospekt: „Kommen Sie auf die Koop Islands, genießen Sie einen unbeschwerten Urlaub an traumhaften Stränden, umgeben von karibischer Leichtigkeit. Spüren Sie, wie Ihnen die Glückshormone durch den Körper schießen und sich totale Erholung ausbreitet.“ Die beiden Reisebegleiter, Magnus Zingmark und Oscar Simonsson, haben mit „Koop Islands“ (Compost Records) das Epizentrum ihrer Easy Listening-Detonation weiter südlich in die Karibik verlagert - aber die Wirkung auf den Hörer ist unverändert positiv.

Über vier Jahre sind vergangen, seitdem die beiden Köpfe hinter Koop mit „Waltz For Koop” für Aufsehen in der weltweiten Jazz-Gemeinde und für 160000 Käufer des Albums sorgten. Großen Anteil daran hatte die Single „Summer Sun”, mittlerweile ein Synonym für anspruchsvolle, gleichzeitig aber auch sehr eingängige Gute-Laune-Musik. Die entsprechenden Reaktionen auf diesen Erfolg blieben nicht aus: „Wir haben versucht, normal zu bleiben, doch das war unmöglich“, erinnert sich Oscar Simonsson. „Jeder achtete auf uns: die Fans, die Medien, die Kollegen. Beinahe haben wir dabei die Kontrolle verloren, sind sehr, sehr lange auf Tour gewesen. Aber ich möchte mich nicht beklagen: Als Musiker ist es sicher ein Traum, solch einen Erfolg zu haben und die Leute kennen zu lernen, die deine Musik hören. Wir waren auch gar nicht überrascht, weil wir jung und selbstbewusst genug waren, um zu glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis wir die Welt übernehmen würden.“ Gelächter in der Leitung über diesen Anflug von Größenwahnsinn. „Mittlerweile sind wir aber bescheidener geworden.“

Zingmark und Simonsson stammen beide aus der schwedischen Universitätsstadt Uppsala, leben und arbeiten inzwischen aber in Stockholm. In ihrem winzigen Studio entstand 1997 das Debütalbum „Sons Of Koop“, auf dem noch verstärkt Trip-Hop, Drum’n’Bass und Jazz mit einem nordischen Flair verbunden wurden. „Waltz For Koop” brachte schließlich die Verwendung von Swing-Idiomen der Sechziger Jahre, genüsslich und ohne jegliche Ironie. Ein perlendes Vibrafon, Bläsersätze à la Clarke Boland Bigband und Burt Bacharach oder Assoziationen zur viel zitierten Sängerin Monica Zetterlund - die Grenze zwischen Samples und Live-Instrumenten verschwamm zu relaxten Klängen zwischen Sixties-Bigband, Hardbop und Bossa. Dabei versuchten Koop, die allgemeine Fusion-Tendenz zu vermeiden, um dem echten Geist des Jazz treu zu bleiben. Denn es geht ihnen nicht darum, elektronische Musik mit einem jazzigen Einschlag zu komponieren, sondern ihren Jazz-Ansatz teilweise mit elektronischen Elementen zu durchsetzen.

Diesen Überbau spiegelt auch das aktuelle Album wider: Bei „Come To Me”, einem sehr charakteristischen Song des neuen Koop-Sounds, wurde nur die Posaune (Karl Fridh) und der Gesang von Yukimi Nagano live eingespielt. Die übrigen Instrumente, also Streicher und Drums, fügten die Produzenten durch Samples hinzu. „Angesichts der Größe unseres Studios können wir keine Bigband, Streichorchester oder ähnliches für Aufnahmen einladen“, gibt Simonsson zu Bedenken. „Ich spiele zwar Klavier, auch auf dem Album, doch als richtige Musiker sehen wir uns nicht an. Insofern sind wir zwangsläufig auf die Samples angewiesen. Es geht auch darum, die Kontrolle zu behalten. Beispielsweise versuchen wir, die meiste Zeit gemeinsam im Studio an den Songs zu arbeiten.“ Es herrscht ein gegenseitiges Vertrauen, auch zu den Studiogästen, die als Wiederholungstäter die jeweiligen Songs melodisch prägen. Sie stellen keinesfalls Fremdkörper dar, wohl bedingt durch die langjährigen Koop(erationen). Während Nagano, Ane Brun und Mikael Sundin ohnehin in Stockholm leben, kam Earl Zinger alias Rob Gallagher ein Wochenende für die Aufnahmen von „Forces…Darling” in die schwedische Hauptstadt.

Gemeinsam mit den übrigen Musikern (Dan Berglund: Bass, Ola Bothzén: Bongos, Magnus Lindgren: Querflöte und Saxofon, Mattias Stahl: Vibrafon und Klarinette) entstand so swingender Vocal-Jazz mit karibischem Flair. Viel Perkussion dominiert die Songs, „Let’s Elope“ werden zudem durch Marimba und Steel Drum bereichert. Interessant: Für „I See A Different You” benutzten Koop das gleiche Drum-Sample wie bei „Summer Sun”. „Der Text dreht sich auch um dasselbe Mädchen. Doch mittlerweile ist sie die Jungs leid, die sie einst getroffen hat.“ Eine Fortsetzungsstory, aber kein Remix im Stile von den „Alternative Takes“ (2003), als Produzenten wie Nicola Conte oder Dorfmeister vs. Madrid de los Austrias die Koop-Songs als Vorlage für Neuinterpretationen nahmen. Simonsson: „Das war eher ein netter Pausenfüller, weil wir wussten, dass es bis zum nächsten Album noch dauern würde. Hoffentlich sind es diesmal keine vier Jahre?!“

Aber noch träumen Koop wie auf dem Cover. „Normalerweise ziehen wir uns so nicht an. Aber auf der Bühne machen wir es schon gerne, ähnlich wie in „Some Like It Hot“ (deutscher Titel: „Manche mögen’s heiß“), bei dem sich die zwei Musiker als Frauen verkleiden und sich dementsprechend schminken, um in die Band zu kommen. Aber vielleicht spielt da auch unsere weibliche Seite mit rein.“

Henrik Drüner