Alles neu: Ab 8. März gerät Kiel wieder in einen dreiwöchigen Kultur-Rausch


Kiel – "Letztes Jahr war beinahe ein Sabbat-Jahr", blickt Kai Hellebrandt zurück. Der Kultur-Rausch, reduziert auf die "Nacht der Clubs"? Im Grunde unwürdig. Doch es war ein notwendiger Schritt, um das Konzept zu überdenken, neue Kräfte zu mobilisieren und nun im Organisationsteam wieder ein dreiwöchiges Programm präsentieren zu können. Ab 8. März und der Eröffnungsfeier im KulturForum reihen sich spannende Lesungen, außergewöhnliche Konzerte und auch moderne Clubnächte aneinander, die beweisen: Kiel ist keine Kulturprovinz.

Der entscheidende Einschnitt erfolgte bereits nach dem Kultur-Rausch 2004. Ein Hauptsponsor sprang ab, so dass die finanziellen Mittel und die Programmvielfalt fortan stark eingeschränkt waren. Zudem verliefen die Vereinssitzungen des Kultur-Rausch e.V. oftmals unkonstruktiv, also viele Meinungen, aber keine Verantwortlichen für zusätzliche Arbeit. Aus dieser Not heraus schlossen sich Kai Hellebrandt, Ralph Müller und Henning Puls zusammen, um als Intendanz-Trio strukturelle und inhaltliche Neuerungen durchzusetzen. Der erste Vorsitzende Lothar Bock ist dank seiner Erfahrung weiterhin an allen Entscheidungen beteiligt, mittlerweile jedoch stärker im Hintergrund. Sogar für 2007 steht bereits der Termin, damit eine langfristige Planung mit Vorlauf und geschärftem Profil ermöglicht wird.

Henning Puls, zuständig für Sponsoring und Finanzen, ist sich sicher: "Auch mit einem Zehntel des Etats kann ein vielfältiges Programm aufgestellt werden, unabhängig von öffentlichen Zuwendungen." Die Voraussetzungen seien nach sieben Jahren weiterhin gut, die Bekanntheit des Namens vorhanden. "Ich denke, dass die einzelnen Veranstaltungen so eher wahrgenommen werden", ergänzt Werbefachmann Ralph Müller, der von Anfang an beim Kultur-Rausch dabei ist. "Durch das Programmheft wirken sie unter dem Gütesiegel 'Kultur-Rausch' besser aufbereitet und leichter zugänglich. Es geht ja auch darum, Berührungsängste zu nehmen." Nicht nur Kieler, sondern auch Besucher aus der gesamten K.E.R.N.-Region sollen neugierig gemacht werden, vor allem auf bisher unbekannte Bereiche. Müller: "Es hat einen Festival-Effekt. Dort guckt man sich auch Bands oder Künstler an, die man sonst nicht beachten würde." Ihn selber reizt besonders die Verbindung von Musik und Lesung bei Gabi Schaffner, die im Weltruf mit ihrer Textsammlung "Narzissen" und dem Album "Finnish Snowwalks and Dances" eine Einführung in das poetische Universum des Schnees gibt.

Eine Maxime des Kultur-Rausch e.V. besteht in der Risikobereitschaft gegenüber Kultur. "Der Kulturgehalt sollte immer höher liegen als die Wirtschaftlichkeit", formuliert es Kai Hellebrandt, der im Team die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Alle beteiligten Veranstalter, die miteinander vernetzt werden, zahlen einen Teilnahmebeitrag und können sich an zwei Abenden von ihrer besten Seite zeigen. Lokale und überregionale Bands und Künstler, abwechslungsreich gemischt – sei es die Leselounge mit Gernot Wolfram und Eleonora Hummel im Literaturhaus (9. März), das Konzert von Pelle Carlberg im Nachtcafé (20. März), der "Ball Oriental" mit Bauchtanz, Fakiren und Tanzvorführung in der Halle400 (25. März) oder das 25-jährige Jubiläum des Kulturzentrums Hansastraße 48 mit "The Hansa-Allstars" (Bernadette La Hengst, Oli, Armstrong, Knarf Rellöm und Döner Diskothek) am 30. März.

Schon die Eröffnungsfeier symbolisiert den neu eingeschlagenen Weg: Der artclub im KulturForum kombiniert Tanzmusik (DJ Domi), bewegte Bilder (VJ Die Optische Bank) und Kunst (Führungen durch die Ausstellung von Tobias Regensburger Winterlager – Camp 2006 [KI]). Theater, Literatur, Musik, Kunst, Kabarett, Comedy, Nacht der Clubs – in der Landeshauptstadt geht was.

Kultur-Rausch 2006, Eröffnungsfeier: Mittwoch (8. März), 19.30 Uhr, KulturForum; alle Infos unter www.kultur-rausch.de

Von Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1808348