Klang gewordene Lavalampe: Løser im Prinz Willy

Zu Beginn der „Space Night“-Reihe vor knapp zehn Jahren existierte noch der Exotenbonus. Statt zu schlafen, verfolgte eine stetig wachsende Fangemeinde das Nachtprogramm im Bayerischen Fernsehen. Mutter Erde, vom All aus betrachtet, mit einem Soundtrack aus sphärischen Klängen und sanft treibenden Beats. Mittlerweile hat sich diese Hintergrundbeschallung verselbstständigt: Alles chillt, relaxt oder loungt, wo es nur geht. Thomas Raukamp alias Løser bietet dafür den klanglichen Rahmen und besinnt sich beim Konzert im Prinz Willy auf die Anfänge der elektronischen Ambientmusik.

Heutzutage benötigt man dazu Keyboards und einen Apfel-Rechner, der die gespeicherten Songstrukturen ausspuckt und die rhythmische Basisarbeit übernimmt. Hinter dieser Tastenburg steht Raukamp, passend zur WM im ärmelfreien Dänemark-Trikot mit der Nummer 10. Die magische Rückennummer tragen nur die ganz Großen, die Spielmacher. Zwar haben sich die Nachbarn im Norden nicht für die Endrunde qualifizieren können, aber das ist eine andere Geschichte. Schmunzelnd bedankt er sich, dass die Zuhörer nicht zum Überraschungsfest der Volksmusik in die Ostseehalle gegangen sind, und beginnt seinen Trip. Klanglandschaften, Soundscapes, Kopfkino…einmal mehr müssen überstrapazierte Allgemeinplätze herhalten, um die Wirkung dieser elektronisch generierten Musik zu beschreiben. Schwebende Sounds und Flächen breiten sich wie ein warmer Teppich aus, Töne und Beats rinnen in dicken Tropfen aus den Boxen, die Weite einer endlosen Steppe dehnt sich vor dem geistigen Auge aus.

Es ist nicht zu überhören, dass sich Løser an dem Bombastpop von Brian Eno oder Jean Michel Jarre orientiert. In seinem Programm huldigt er dem Vorbild denn auch mit einem Coversong. Das Publikum springt nicht vor Schreck vom Sessel auf, aber dafür ist diese Stilrichtung auch nicht gedacht. Eher simuliert sie eine Klang gewordene Lavalampe; ein einziges Hauchen, Pulsieren, Blubbern und Wabern durchzieht das Prinz Willy - im Grunde genommen also reichlich unspektakulär. Kleine Ideen und Akkordwechsel strecken sich über Minuten hin aus. Die darin reifenden Steigerungen und minimalen Veränderungen der Patterns nimmt man nur wahr, wenn man sich ganz der Musik widmet - beziehungsweise sich völlig von ihr einnehmen und auf eine imaginäre Reise schicken lässt.

Am Keyboard setzt Raukamp die Melodie-Cluster, simuliert den Klang einer gedämpften Trompete, ebenso Morsegeräusche oder Sprach-Sample. Der argentinische Violinist, der zum Abschluss bei „The Finale Ologie“ das Thema einspielte, ist nicht verfügbar, so dass auch dessen Part aus der Wundermaschine gezaubert wird - die hier allerdings an ihre Grenzen stößt. Aber das stört nur wenige im vollbesetzten Café, das für eine Stunde zu einem Soundlabor zweckentfremdet wurde. Wie benommen vergessen die Probanden sogar, den Applaus für eine Zugabe zu schenken. Nur der Chef ist bei Sinnen und verlangt nach mehr Stoff fürs Kopfkino.