Labrador aus Dänemark offerierten im Nachtcafé puren Pop



Was für eine Begrüßung: "We play some pop-songs". Punktlandung. Denn die Ansage war nicht nur Ansage, sondern auch treffende Aussage und Sinnbild für das Konzert von Labrador im Nachtcafé. Die dänische Band schreibt Pop noch mit drei Großbuchstaben. POP, eine Stunde lang, auf höchstem Niveau.

Flemming Borby, Sänger und Gitarrist des Quintetts, wusste wohl gar nicht um die Tragweite seiner einleitenden Worte. Vielmehr charakterisierten sie sein zurückhaltendes, gänzlich ohne Rock-Posen auskommendes Verhalten auf der Bühne. Eine bewusste Hinwendung zu hippieesker Gutmütigkeit mit Hang zur Naivität - und zur Sache an sich, der Musik. Das aktuelle Album Instamatic Lovelife, Hauptbezugsquelle des Programms, erzählt die unendliche Geschichte der (un)glücklichen Liebe, vertont von Borby, Sara Futtrup Lund (Gesang/Keyboard), Soeren Jensen (Trompete) und Joakim Harder am Schlagzeug. Quintett? Bassist John Strandskov wurde mit den Streichern der Prager Symphoniker in ein kleines elektronisches Gerät gezwängt, spielte aber trotz der Enge auf Befehl fehlerfrei. Ein Manko, wenn durch vorbestimmte Abläufe die Spontaneität des Live-Moments im Keime erstickt wurde und der Zuhörer unterbewusst dachte: Die spielen hier ihren Stiefel runter.

Harder bestimmte den Einsatz, wenn er das Signal auf den Kopfhörer bekam: eins, zwei, drei, vier. Vor dem geistigen Auge tauchte eine Blumenwiese auf, mit hüpfenden Kindern und lachenden Augen. Der zweistimmige Gesang harmonierte, auch und besonders im Duett, wenn die beiden sich in die Augen schauten, über Liebe sprachen - und man es ihnen sogar abnahm. Hey, das ist Pop! Beinahe zu viel Harmonie herrschte bei Don't Forget Your Raincoat oder Guess I'm In The Mood. Da klebten die Hände beim Klatschen.

Doch größtenteils begeisterten Labrador das etwas träge und sitzfreudige Publikum: Beim Uptempo-Song Sad & Done kam der frühe Cardigans-Sound ins Gedächtnis, Side By Side flirtete mit Bossa-Leichtigkeit und Sunday Girl mit treibenden Stereolab-Beats. Eine Hommage an Burt Bacharach zielte - auch dank des Retro-Outfits von Lund - auf die späten Sechziger, garniert vom Schmelz der optimal arrangierten Trompetensätze. Das Konzert in Kiel war der Abschluss der Deutschland-Tour mit elf Terminen an zwölf Abenden, bevor es wieder zurück nach Kopenhagen geht. Die Reaktionen zeigten: Labrador haben es geschafft, das Land mit einer Schicht aus Zuckerguss zu überziehen.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 23.02.2005