Superpunk-Gitarrist Lars Bulnheim kommt als DJ ins Luna


Die Funkforschung wird weiter vorangetrieben. Nach der bewährten Kontaktaufnahme an irgendeinem Hamburger Tresen bekommt DJ Carter alias Jan Boche, der Mann für Deep Funk auf kleinen Scheiben, im Luna soulkräftige Verstärkung an den Plattentellern: Lars Bulnheim, Jahrgang 1968, Gitarrist und Gründungsmitglied von Superpunk sowie langjähriger Duftmarkensetzer in verschiedenen Formationen der Hansestadt (Sand 11, Boy Division, Die Fünf Freunde), übernimmt am Sonnabend die Rolle des Stargasts.

Du giltst als einer der Northern-Soul-Experten schlechthin. Wann hast du angefangen, dich speziell für dieses Genre zu interessieren?

Bulnheim: Ich würde mich nicht als Northern-Soul-Experten bezeichnen. Ich bin Soulfan. Northern Soul beinhaltet nur einen relativ kleinen Ausschnitt aus dem Genre. Mit Northern-Soul verbinde ich immer irgendwelche bierbäuchigen Typen, die seit 30 Jahren dieselben 500 Singles rauf- und runterspielen. Das ist öde. Natürlich hat die englische Leidenschaft für Uptempo-60's Soul einige der schönsten Soul-Tracks überhaupt an die Oberfläche gebracht, aber es gibt viel mehr zu entdecken.


Seit fünf Jahren bist du Veranstalter und Resident-DJ der "Shelter Club Allnighter". Gibt es Veränderungen im Laufe der Zeit zu beobachten bezüglich Zuspruch, Publikum oder Programm?

Ich habe an unserem fünften Geburtstag meinen Hut genommen, weil ich der Meinung war, dass sich der Club totgelaufen hat. Es ist nämlich genau das Phänomen eingetreten, das ich in der ersten Frage zu beschreiben versucht habe. Inzwischen veranstalte ich zweimal im Jahr einen eigenen Soulclub im Hamburger Mandarin Kasino, bei dem ich – meiner Meinung nach – progressive DJs aus England oder sonst wo einlade. Der nächste Termin ist der 15. Oktober, an dem Keb Darge und Butch hauptsächlich 70's Soul und ein wenig Funk auflegen werden. Der Sound hat sich insofern verändert, als dass immer mehr 70's Soul gespielt wird. Das Publikum in Hamburg ist erfreulich jung und aufgeschlossen.


Ist das Auflegen eine willkommene Abwechslung zur Band? Beeinflussen sich die beiden Sachen gegenseitig?

Och ja, ist schon eine willkommene Abwechslung. Und dass man sich das eine oder andere Riff von einer schönen Platte mal ausleiht, ist ja wohl Ehrensache!


Sonnabend, 23 Uhr, Luna

nordClick/Kieler Nachrichten vom 20.07.2005 01:00