Das französische Sextett LéOparleur kommt am Donnerstag nach Kiel


Kiel – Viel Raum nehmen Magie, Phantasie und Poesie ein, wenn LéOparleur mit ihrem farbenfrohen Musik- und Showkonzept dem tristen Alltag zu Leibe rücken. Es ist eine eigentümliche Mischung aus Musette und andalusischen Melodien, Chanson und Zigeunermusik. LéOparleur stammen nicht aus den bekannten Zentren urbaner Musik in Frankreich, sondern aus Straßburg. Von dort zog das Sextett vor vier Jahren aus zu weltweiten Tourneen, um sich als Erneuerer des Chansons einen Namen zu machen. Auch in der Pumpe werden "die Freibeuter arabisch-andalusischer Klangmixturen" auf der Bühne vermutlich jugendliche Frische, Humor und Virtuosität ausstrahlen.

Ihr erstes Album Revoir La Mer lebte von den Erfahrungen aus über 350 Konzerten und den unerwarteten Entdeckungen, die das Reisen für einen bereithält. Eine Art Bullauge mit Blick auf die offene See. Die zahlreichen künstlerischen und menschlichen Begegnungen der letzten Jahre inspirierten auch das aktuelle Nachfolgewerk Tout Ce Qui Brille ("Alles, was glänzt"): LéOparleur kehren hier eindeutig zur ersten Liebe für Rockmusik zurück, ohne die arabisch-andalusischen Melodien und osteuropäischen Fanfaren zu vernachlässigen, die zum Markenzeichen der Band geworden sind. Tout Ce Qui Brille lässt eine vielfältige und poetische Welt entstehen, in der das Spanien der Gypsies und Mauren sich kubanischer Rhythmen bedient. Eine Welt ohne Grenzen, in der Mano Negra, Ibrahim Ferrer, Les Négresses Vertes, Django Reinhardt und The Clash riesige Freude an einer fantastischen Jam-Session hätten.

Die Texte von Josef Oster erzeugen eine Stimmung zwischen dem politisch engagierten Knirschen eines Boris Vian und burlesker Komik im Stile von Boby Lapointe. Sie bereichern die Songs, die zwischen kleinen Geschichten des mitteleuropäischen Alltags und der Süße einer Fiesta an der karibischen Küste wechseln. Dabei geht der Gesang von Joseph Oster und Maya Martinez streckenweise einen gemeinsamen Weg, um sich an anderer Stelle zu kreuzen, abwechselnd klar und zart, zerbrechlich oder fiebrig zu erklingen. Darüber legen sich die vielschichtige Seele des Akkordeons, verspielte Saxofonlinien, Klezmer-Klarinetten, Kastagnetten, ein kräftiger Kontrabass, freche und überraschende Trompeten und eine Gitarre, wie aus einem Tarantino-Soundtrack entsprungen.

LéOparleur zelebrieren das Leben zwischen Schwarz und Weiß, bitter und süß, Lachen und Weinen, Tanzen und Staunen. Sie haben die Segel gesetzt, sich einen eigenen Weg gebahnt und die Häfen dieser Welt vorgewarnt. Die Strömung treibt sie nun an unsere Küsten.

Donnerstag, Pumpe, Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr

Von Henrik Drüner

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