Urlaubspläne: Les Babacools

„Wir kennen uns alle sehr gut. Von daher gibt es wenig Probleme mit der Organisation - bis auf die Urlaubseinteilung: Die anderen würden am liebsten im Sommer wegfahren, ich eher im Winter, da meine Familie in Südamerika lebt“ verrät Don Caramelo, Sänger von Les Babacools. Und schmunzelt über die Frage, wie man die zehn Mitglieder des Münchner Musikerkollektivs bei der Stange hält.

Deren aktuelles Album „Mundo Stereo“ (SPV) macht zumindest da weiter, wo die Vorgänger „Rude Radio“ (1999) und „Companeros 36“ (2003) aufhörten: mit einem überbordenden Stilmix aus Reggae, Rock, Funk, Soul und Latin. Beinahe kommt ein Compilation-Gefühl auf, wenn Les Babacools ganz bewusst mit Heavy Rock-Gitarren bei „Manteca“ (Original: Dizzy Gillespie) und „Killing“ schocken, mit atmosphärischem Pop („Perdido“) besänftigen und die Party-Single „Mestizo Fonk (Cyaan Done)“ den Sommer einläutet. Don Caramelo über „Unconditional & Essential“, bei dem Gentleman und Jack Radics mitwirken: „Der Song ist typisch für uns: im Refrain funky, die Strophen mit Ragga-Elementen, angelehnt an Dancehall-Acts wie Shabba Ranks Anfang der Neunziger. Beim Text geht es dementsprechend um dieses 'Wir sind die Platzhirsche, reich mir das Mic'-Ding.“

Discophil (Bass), Tobi Tobasco (Gitarre) und Easy Ising (Keyboard) bringen die Ideen fürs Songwriting, aber auch die Sänger Don Caramelo, Dr. Grenada und Lobstarr mischen mit. Entweder, es existieren schon konkrete Vorstellungen über das Arrangement, oder es entwickelt sich etwas beim gemeinsamen Jammen. „Da wir unser eigenes Studio [Studio 36] haben, sind eh meist alle vor Ort, um Songs aufnehmen zu können.“ Erweitert wurde die Vielfalt aus spanischen und französischen Texten mit englischsprachigen Reggae- und Soul-Lyrics. So zelebrieren die multikulturellen „Freaks“ (franz. „Babacools“), die sich immer eine Offenheit für Neues bewahren konnten, geballte Lebensfreude mit groovigen Bläsern, Percussion und purer Energie, besonders live. „Bei Konzerten spielen wir die Songs eben anders als im Studio, meistens kräftiger. Unser Credo: Keine künstlichen Elemente, also DAT-Spuren mit Streichern oder Elektronik. Bei uns bekommst du das, was du siehst.“ Big up!

Henrik Drüner