Lexy

Einer Gehirnwäsche vom Feinsten wird das Publikum im Luna von Lexy unterzogen. Der Berliner Diskjockey und Produzent - bürgerlich Alexander Gerlach -, der ansonsten mit Partner K-Paul als erfolgreiches Dance-Duo arbeitet, nutzt dabei alle Mittel eines DJ-Sets.

Nach dem Warmup der lokalen Flurpatrouille übernimmt Lexy ab 1.30 Uhr in ausgewaschenem T-Shirt die Plattenteller. „Abfahrt, immer Abfahrt!“ schreit ein Partygast beim Gang auf die Tanzfläche und meint damit wohl: Vollschuss ins Vergnügen! Jedoch kein ungewisses Unterfangen, denn alle Tanzenden im sehr gut gefüllten Luna-Untergeschoss werden geschützt durch die Sicherheitszäune im 4/4-Takt. Die treibenden Beats, in der scheinbaren Wiederkehr des Immergleichen, zielen zwar auf den Kopf, ziehen den Rest des Körpers aber unweigerlich mit – nur Rhythmusphobiker machen hier falsche Bewegungen. Es gleicht einem Spiel, auf das man sich entweder einlässt oder es funktioniert nicht. Wenn man beteiligt ist, verschwimmen die manifestierten Parameter des Alltags. Symptome: Jubelschreie, Pfiffe oder in die Luft geworfene Arme. Wenn nicht, bleibt man bloß ein außen stehender Beobachter und spürt beinahe eine gewisse Befremdlichkeit angesichts der allumfassenden Ekstase.

Lexy bevorzugt die Mitspielenden, nimmt die geschrieenen Ovationen grinsend entgegen und manipuliert ganz geschickt die wogende Masse. Er hält sie hin an der unsichtbaren Leine, indem er den Bass am Regler minimiert und Höhepunkte hinauszögert; er weckt somit Begehrlichkeiten, um nach und nach den Lechzenden immer mehr davon freizugeben. Doch der Berliner bricht auch gerne mit dem Fluss und erlöst mit Blur’s „Song 2“, dessen Stadion-„Woo-Hoo“ zum Mitgrölen und die Gitarrenwand im starken Kontrast zu den hauptsächlich instrumentalen, technoiden House-Klängen stehen. „Every you every me“ von Placebo schlägt in die selbe Kerbe, bevor es wieder zurück geht in die monotone Faszination. Wie gesagt: Abfahrt, immer Abfahrt. Von Henrik Drüner