Madsen auf der delta radio-Bühne in der Halle400 - Ein Beispiel gepflegter Rebellion

Von Henrik Drüner

Der Weg von Madsen könnte direkt aus den Jugendzentren der Region Wendland in die großen Konzertsäle des Landes führen. Einen Vorgeschmack darauf gibt es auf der delta radio-Bühne in der Halle400, wo der Tourmanager freudestrahlend von 851 zahlenden Zuschauern berichtet - für eine Newcomerband beachtlich.

Die drei Madsen-Brüder Sebastian (Gesang, Gitarre), Johannes (Gitarre) und Sascha (Schlagzeug), sowie Niko Maurer (Bass) und Folkert „Folli“ Jahnke (Orgel) mischen diesen Sommer dank Major im Rücken groß mit: Rock am Ring, Hurricane, diese Liga. Der schnörkellose Garagen-Rock ihres Debütalbums, sowohl geradlinig als auch ruppig, speist sich aus der Kombination von gepflegter Rebellion und Sendungsbewusstsein. Das Quintett ist in einem Alter, in dem Musik entstehen kann wie kaum später noch einmal, in einer Atmosphäre aus Spontaneität, Selbstbewusstsein und Naivität. Viele aus dem Publikum kommen aus der gleichen Altersgruppe, die auch gleichzeitig Zielgruppe darstellt: Sie können am besten die adoleszente Wut nachvollziehen, die in dieser Phase gärt.

Oft sind die Songs nach demselben Schema gestrickt: Thema vorstellen, ruhige Strophe mit Gesangsmelodien, im Refrain wird der Hebel umgelegt. „Immer mehr“ klingt stark nach Tocotronic in deren Anfangstagen, nur professioneller gespielt und arrangiert, damit auch gleich alles in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Die weiteren Hits „Die Perfektion“ („Du bist groß, besser als gut, ich wär’ so gern wie du, du bist die Perfektion“) oder „Vielleicht“ („Vielleicht ist das der Anfang, vielleicht ist das das Ende, doch es gibt nichts schlimmeres als alleine zu sein“) offenbaren einige Textmängel, aber die stören hier niemanden. Im Zentrum steht Sebastian, der an einem Abend „voller Liebe, Freude und Leidenschaft“ seinen Charme spielen lässt, Wasser in die ersten kollabierenden Reihen verspritzt und in der Zugabe alleine vor einem Meer geschwenkter Arme und Feuerzeuge sitzt…oder waren es die in Flammen stehenden Fanherzen?

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