Mallacán: Lebendiger Schrei nach Veränderung

 

Man könnte fast den Eindruck bekommen, als habe jede Region in Spanien parallel zum stark ausgeprägten Autonomiestreben auch jeweils eine lokale Kultband in Sachen Latin-Ska und Artverwandtes aufzubieten. Wenn Obrint Pas für Katalonien und Betagarri oder Fermin Muguruza repräsentativ für das Baskenland stehen, übernehmen Mallacán aus Zaragoza diese Rolle für Aragón. Zu neun Terminen kommen sie nach Deutschland - am Donnerstag spielen sie in der Pumpe eines der letzten „Meierei im Exil“-Konzerte.

Das ehemalige Königreich Aragón - im Mittelalter eines der Zentren spanischer Kultur - liegt im Norden zwischen den Pyrenäen und dem flachen Ebro-Tal. Über 50.000 Studenten (bei 600.000 Einwohner) sprechen auch heute noch für die Modernität und Weltoffenheit einer Stadt, deren populärsten Söhne sich 1992 aufmachten, dem Mestizo-Buch ein weiteres Kapitel hinzuzufügen: Mallacán. Denn ähnlich den schon genannten Bands verkörpert auch die siebenköpfige Combo den boomenden Fusion-Charakter aus Ska, Reggae und Punkrock, vermischt mit traditionellen Einflüssen und Instrumenten. Getragen durch eine Bläserfraktion (Alex: Posaune, Eduardo: Trompete) und fünfsprachigen Gesang kreieren Mallacán einen unverwechselbar treibenden und sehr tanzbaren Sound.

Obwohl die Band bereits seit mehr als 14 Jahren existiert, veröffentlicht sie in diesen Tagen erst ihr drittes Album: Nach „Luen D´o Paradiso“ (1999) und „Chera Chera!“ (2002) mischen die zwölf Songs von „Pais Zierzo“ erneut Latin-Ska, Punk und aragonesische Folklore. Deren Vielfalt zeigt sich vor allem in der Instrumentierung mit Akkordeon, Dudelsack, Klarinette, Keyboard und Percussions. Durch den Weggang von Elena ist Kollege Fernando nun allein verantwortlich für den Gesang, der hauptsächlich auf Aragonés vorgetragen wird und dadurch den starken lokalen Bezug unterstreicht, mit dem die Band auf eine weitere gefährdete Sprache aufmerksam machen möchte. Ansonsten erklingen die Texte auf Katalan, Castellano, Französisch und Englisch - mit politischen und kompromisslosen Themen, jedoch vergleichsweise optimistisch.

Es sind Manifeste, die das Feuer des Widerstandes beleben und beweisen sollen, dass der Schrei nach radikaler Veränderung noch lebendig ist. Ganz gleich, ob in Zaragoza oder Kiel. Die Musiker von Mallacán gehören zu den Menschen, die daran glauben, dass eine bessere und solidarische Welt möglich ist. So vereinen sie in ihrer Musik gleichermaßen Leidenschaft und Melodie, Lust und Wut, Energie und Vielfalt.

Donnerstag, Pumpe, 21 Uhr (Protestspaziergang zur Pumpe gegen das Veranstaltungsverbot: Treffen 20 Uhr vor der Alten Meierei)