Mark Medlock & Band in der Sparkassen-Arena

Lausbubencharme und überschaubare musikalische Mittel

 

Kiel – „Ich freu mich, dass ich die Kacke überstanden habe. Aber ich lieb’ auch meinen Job!“ Abschlussworte eines „Superstars“ nach 27 Konzerten in zwei Monaten. Für diese Widersprüchlichkeit und Ehrlichkeit lieben ihn die Fans. Mark Medlock unterhielt in der Sparkassen-Arena mit hessischem Lausbubencharme und überschaubaren musikalischen Mitteln – auch ohne seinen Mentor Dieter Bohlen.

Gefühlte 2000 Zuschauer aus drei Generationen sind in die abgehangene und dadurch geschrumpfte Arena gepilgert, um den letzt jährigen DSDS-Sieger nicht nur auf der Mattscheibe zu bewundern. Darunter ganz viele kleine Engel. Nach dem Motto „...weil er mir Flügel verleiht und ich mich himmlisch fühle, wenn er singt!“ haben sie sich vor der Bühne versammelt, wo selbst gebastelte Banner, rhythmisch im Takt gewedelte Neonlicht-Röhren und frenetisches Gekreische dominieren. Über der dunklen Menge Köpfe leuchten Dutzende von rechteckigen Lichtflecken. Es sind die kleinen Bildschirme der Handykameras, mit denen Mark Leon Medlock, das 'Bobblsche', ausdauernd ins Visier genommen wird.

Dieses Popkultur-Phänomen funktioniert sicherlich nicht nur, weil der 29-jährige Wahl-Berliner ein passabler Interpret von Liedern gilt, die in seinem Soul-Segment ohnehin als obligatorisch anzusehen sind. Erst Schule geschmissen, dann Hartz IV, dann „RTL-Superstar“ samt monströser PR-Kampagne, binnen kürzester Zeit 850000 verkaufte Tonträger und dazwischen bereits eine eigene Biografie-Veröffentlichung. Und das alles nur, weil er, wie er sagt, an sich selbst glaube und sich nicht verbiegen lassen wolle. Faszinierend.

Im Vorprogramm zeigen sich Kate & Ben von der rührseligen Seite: Penetranter Duett-Schmusepop im Konfettiregen, vor Schwülstigkeit triefende Texte („Königin ohne Thron“), teilweise grotesk verzerrt und entstellt durch stupide Ballermann-Beats. Authentizität? Hier fehl am Platze. Zumindest gesellt sich Mark bei „Dem Himmel fehlt ein Engel“ dazu, gibt eine erste Gesangskostprobe und babbelt in hessischer Mundart („Isch lieb’ die zwei!“).

Bohlens musikalischer Adoptivsohn bestückt anschließend sein Programm mit Songs des „Dreamcatcher“-Albums, vor allem aber mit Cover-Versionen. So erklingen „Stand By Me“, „Ain’t No Sunshine”, „My Girl“ oder „Wonderful World“ teils mit eigenen Arrangements, meist jedoch eng am Original angelehnt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Denn so schnell kann selbst die Hitmaschine Dieter Bohlen ihm keine Stücke auf den Leib schneidern, dass es ein Jahr nach der Entdeckung für ein komplettes Konzert reichen würde. Die siebenköpfige Band, rekrutiert aus tadellos abgebrühten Studio-Musikern, poliert die Songs zwischen Balladenschmelz und Mainstream-SoulPop auf. Von Marks Heiserkeit während der Tour keine Spur – er ist gut bei Stimme.

Mit Cap, Jeans, kariertem Hemd und abgeschnittenen Handschuhen tänzelt 'Markiboy' über die Bühne, lässt ein wenig die Hüfte kreisen, die Plüschaugen klimpern und lupft beim Höhepunkt „You Can Get It” das Hemd, was zwar die unspektakuläre Show nicht kreativer macht, ihm aber umgehend Begeisterungsjauchzer einbringt. In den genuschelten Ansagen wird zudem sein Hang zum Ordinären deutlich, wenn er seine Mitmenschen gleichzeitig beschimpft und versöhnt. „Ihr Drecksäck“ versus „ihr Süßen“. Medlock mag zwar nicht gerade das sein, was man ein Entertainment-Talent nennt. Aber unfreiwillig komisch: „Auszieh’n!“ – „Ne, das geht nicht.“