Ein eigener Trip: Mathias Schaffhäuser im Luna

 

Wenn Mathias Schaffhäuser in seinem Element ist und an den Plattentellern steht, dann ist er DJ und Produzent in Personalunion. Zum einen geht der Sound seiner eigenen Veröffentlichungen immer stark in Richtung Tanzflur, zum anderen weist der Sound der ausgewählten Vinylscheiben auch die von ihm gewünschte Attitüde auf: House ohne Klischees und Techno ohne Zeitgeist-Schubladen. Beide Herangehensweisen an Clubmusik verschmelzen bei dem Kölner zu einer massiven Verbindung, vertont durch das mehrstündige DJ-Set im Luna.

Eigentlich ist es ein ganz normaler Club-Abend. Normal insofern, dass die Stimmung nicht ins Extrem ausschlägt, die Tanzfläche jedoch durchgängig von zuckenden Körpern bevölkert wird. Normal aber auch, weil die Luna-Verantwortlichen wie so oft einen Plattenkünstler nach Kiel locken konnten, der in gewissen Kreisen große Popularität genießt und an diesem Abend selbst Sympathisanten aus Nordfriesland anzieht. Ein gewohnt hohes Niveau, das beinahe zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Ab zwei Uhr legt Schaffhäuser los: melodiearm, rhythmusbetont und sehr tanzbar, obwohl die Tracks überwiegend unbekannt sind. Tief bohrt der Bass sich in den Bauch, mäandern die Songs ohne Atempause ineinander, scheinen Anfang und Ende nur kategorische Hülsen im Strom der Beats & Sounds. Der Icehouse-Popklassiker „Hey Little Girl“, mit dessen Neubearbeitung Schaffhäuser vor vier Jahren die Charts stürmte, findet heute keinen Platz in seinem ausgeklügelten Ablauf. Denn der Label-Chef tauchte seitdem wieder in den Elektro-Untergrund ab, um sich ganz auf seine persönliche Handschrift zu konzentrieren: eine musikalisch vordergründige Geradlinigkeit, die im Hintergrund beispielsweise durch verschobene Taktparameter oder perkussive Handclaps aufgebrochen wird. So vermeidet er ein stupides Gebolze und bringt stattdessen eine gewisse kraftvolle Funkyness ins Spiel.

Schaffhäuser weiß sich selber hinterm DJ-Pult für diese Mischung zu begeistern, wippt mit den Armen und erwartet den nächsten Höhepunkt, bei dem sich die Dynamiksteigerung in einer frischen Basslinie entlädt. Schließlich gibt die Nebelmaschine erschöpft ihren Geist auf, weil sie schon zu viele diffuse Schwaden in den Raum pumpen musste. Doch das stört um diese Uhrzeit niemanden mehr - alle Anwesenden sind von Mathias Schaffhäuser bereits auf einen ganz eigenen Trip geschickt worden.