"Innovation ist Nebensache" - Maximilian Hecker sucht das Glück und kommt ins Weltruf

 

Kiel – Auch mit seinem aktuellen vierten Album I'll Be A Virgin, I'll Be A Mountain polarisiert Maximilian Hecker die Hörerschaft. Zu sehr irritiert sein hohes Maß an Schönklang, Melancholie, Traurigkeit und Hoffnung, das der Endzwanziger mit Wahlheimat Berlin in seinen Songs zur Geltung bringt. Oft wird er einfach als Pop-Casanova, gebrochener Piano-Romantiker oder kammermusikalischer Balladen-Sänger abgestempelt. Am Sonnabend kommt Maximilian Hecker zu einem Solo-Konzert ins Kieler Weltruf.

KN: Im Studio und auf Tour nutzt du Hammond-Orgel, Akustik-Gitarre, Streicher und Waldhörner. Spielt der Bandgedanke bei dir eine große Rolle?

Hecker: Nein, eher nicht. Es ist auch nicht so, dass wir alle im Studio zusammen kommen und drauflos jammen. Für mich ist es beinahe nebensächlich, ob da noch andere mitspielen. Meistens sind wir zu zweit im Studio: mein Produzent (Guy Sternberg, Anm. d. Red.) und ich. Die Gastmusiker spielen unabhängig davon ihre Parts ein. Wenn der Produzent also meint, dass in einem Song eine Hammond-Orgel passen würde, dann probieren wir das aus. Im Vordergrund stehen das Lied und die Überlegung, wie man es am besten umsetzen kann.

Kannst du dich mit dem Image identifizieren, das dir von großen Teilen der Musikpresse zugeschrieben wird?

Nach dem Motto: Lebst du das Klischee, das wir dir aufdrücken? Im Alltag bin ich relativ kopfgesteuert und rational. Mein Ventil ist die Musik. Daher ist mein Songwriting auch so emotional und schwelgerisch, weil ich es anderswo nicht loswerden kann. Insofern ist mein Charakter im Grunde das Gegenteil von dem, was die Presse schreibt.

Woher kommt dieses Missverständnis?

Teilweise fühle ich mich getrieben und gehetzt, sehne mich nach Ruhe. Diese Ruhe finde ich dann in meiner Musik. Ich verkörpere also ganz und gar keinen Softi oder Schluffi – eher einen Harti, wenn es das Wort geben sollte...


Du scheinst immer auf der Suche zu sein. Spiegelt der Albumtitel die Ideale von Reinheit und Ewigkeit wider?

Der Titel will sagen: Ich werde irgendwann frei sein und in eine bessere Welt eingehen. Die Frage ist, ob ein erlöster Zustand nur möglich ist, wenn man nach dem Tod in eine andere Sphäre eintritt. Der eigentliche Wunsch ist ja, schon in dieser Welt diesen Zustand zu erreichen. Es gibt zwei Wege, die Sackgassen darstellen: zum einen der regressive Wunsch zurück in die heile Welt des Kindseins oder den Mutterbauch, zum anderen die Vereinigung mit Gott durch den Tod. Der dritte Weg ist wohl der richtige, bei dem bereits in der Realität die Erlösung und das Glück gefunden werden. Durch Beziehungen zu Freunden, durch menschliches Verhalten. Ein ständiger Widerstreit zwischen Perfektionismus, dem Streben nach Höherem und der Erkenntnis, dass es im Grunde nicht erfüllbar ist.


Strebst du persönlich auch diesen dritten Weg an?

Zumindest hab' ich ihn rein rational erkannt. Jetzt muss ich ihn nur noch begehen. Vielleicht brauche ich dafür noch 20 bis 30 Jahre – vielleicht funktioniert es auch nie!? Bisher ist der Schritt noch nicht bei meinem Gefühl angekommen.


Inwiefern haben solche Fragen Einfluss auf die Entwicklung deiner Alben?

Ich handle musikalisch sehr intuitiv, im Gegensatz zum Rest meines Lebens. Die Idee kommt und wird umgesetzt. Momentan sieht es beispielsweise sehr nach einem Justin Timberlake-Album aus, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Generell empfinde ich Innovation als nebensächlich. Vielleicht ist das wirtschaftlich sinnvoll, aber in erster Linie geht es doch darum, ein schönes Lied zu hören und sich darin geborgen zu fühlen.

Sonnabend, Weltruf (Lange Reihe 21-23), 21 Uhr

Von Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1995244