Mighty Howard beeindruckte in der Schaubude mit Authentizität


Kiel – Wenn Reggae-Künstler öffentlich auftreten, dann schwingen oft verunglimpfende Assoziationen und Klischees mit: Kiffermucke, Hippiekram, weltfremder Idealismus. Mighty Howard dagegen nutzt beim Konzert in der Schaubude die Gelegenheit, seinem Lebensinhalt, seiner Leidenschaft und Religion nachhaltigen Ausdruck zu verleihen. Er verkörpert den "Grand African Tree", so auch der Titel seines aktuellen Albums, zieht nur mit Gesang und Akustikgitarre ein neunzigminütiges Programm durch und bleibt dabei authentisch.

Gleich am Eingang benebeln zur spirituellen Einstimmung Räucherstäbchen den Raum und das Hirn. Eine Buddhastatue, vom Diaprojektor auf die Rückseite der Bühne projiziert, thront zwischen zwei grün-gelb-roten Flaggen der Rastafari. Die Farben stehen für die Fruchtbarkeit des afrikanischen Bodens, für die Liebe zum Heimatland und für das zur Erlangung und Erhaltung der Unabhängigkeit vergossene Blut. Howard Booker Bridges II aus New York City weiß um die Bedeutung und lässt sie subtil in seine Musik einfließen.

Auf Platte spielt er zusätzlich noch Djembe, Didjerido und Posaune, doch an diesem Abend muss den akustischen Reggae- und Soulsongs ein spartanisches Instrumentarium ausreichen. Mit dem Mund imitiert er teilweise das Schlagzeug, produziert so eine verblüffend wirksame Human Beat Box. Bei der Auswahl der Coversongs hält er sich an die üblichen Verdächtigen des Genres: Bob Marley ("Waiting In Vain", "Stir It Up", "Natural Mystic"), Dawn Penns "You Don't Love Me (No, No, No)" oder "Message To You Rudy" punkten durch den Wiedererkennungswert, nicht durch ihre Exklusivität. Schöner ist Mighty Howards persönliche Handschrift beim Songwriting, wenn er nicht das Gefühl anderer borgt, sondern die eigenen Emotionen in Töne umsetzt.

Warm klingt sein Gesangstimbre, besonders eindrucksvoll mit der Kopfstimme. Durch sie bekommen die Liebeslieder noch etwas mehr Glanz.Für eine Legalisierung von Weed, Ganja, also das Kraut der Weisheit, steht "Legalize" von Peter Tosh. Doch es gerät hier nicht zur Farce, ebenso wenig wie "Funky Kingston" und "54-46 Was My Number" (Toots & The Maytals), bei denen beinahe Rock'n'Roll-Feeling aufkommt. Mit rauer Stimme und gebändigten Dreadlocks wippt Mighty Howard beseelt zu den Wünschen und Hoffnungen der jamaikanischen Songschreiber wie bei Marleys "Redemption Song". Eine nächste Chance, Howard Mighty live zu erleben, gibt es am kommenden Sonnabend im Luna Club.

Von Henrik Drüner

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