Mikrofisch & The USA: Zeitsprung in die frühen Neunziger


Kiel – Ein Soundtrack wie aus dem WG-Wohnzimmer jung gebliebener Langzeitstudenten entfaltet sich in der Schaubude. Die trashige Mischung aus pixeliger Science-Fiction-Welt, Konsolen-Zauber und schrammeligem Gitarren-Folk macht das „2x2“-Doppelkonzert von The USA und Mikrofisch zu einem überschaubaren Zeitsprung in die frühen Neunziger.

Genannt werden die alten Heroen dieser Zeit wie Ween, Teenage Fanclub oder Afghan Whigs von Silvi Wersi und ihrem Mikrofisch-Kollegen Mawe N. Klave in ihrem Song "Drummachines Will Save Mankind". Doch dasselbe Stück gibt den Zuschauern auch mit auf den Weg, dass es wahrscheinlich andere Dinge sind, die den Planeten retten werden.

Thijs van den Broek (Gitarre, Gesang) und seine Schwester Marieke (Keyboard, Gesang), die Protagonisten von The USA, gehen mit dieser widersprüchlichen Attitüde absolut konform. Vor zwei Jahren spielten sie noch in dem Quartett John Wayne Shot Me. Geblieben ist der charmante Lofi-Sound und der Hang zum exklusiven Fremdmaterial, wenn sie Jonathan Richmans "Lonely Financial Zone" und "I Still Miss Someone" von Johnny Cash einer Neuinterpretation unterziehen. Nur wenige Songs überspringen die Zwei-Minuten-Spielzeitgrenze. Ist wohl Teil des Konzepts, aber oftmals bedauerlich.

Der mehrstimmige Gesang wird begleitet von einem Tastenpark aus fünf antiquierten Keyboards, Synthesizern und sonstigen Klanggeneratoren. Als Unterlage dient ein handelsübliches Bügelbrett. Es fiept und rumpelt aus den Boxen, doch das Unperfekte scheint Programm, wenn Thijs und Marieke nonchalant über Bowling und Monster singen. Witzig ist auch die Idee, Schlagzeugerin Alicia, die zu Hause im niederländischen Ammerzoden bleiben musste, auf Leinwand zu projizieren.

Bei Mikrofisch sind anschließend alle Instrumente in Rotation. Silvi, Mawe und ein Aushilfskollege spielen abwechselnd Gitarre, Bass und Keyboard, singen und tanzen. Die Muckerpolizei rümpft zwar die Nase, aber der Charmebonus ist dem Hamburg/Londoner Duo sicher. Schließlich kann nicht jeder Musiker mit seinem Sound ganze Schulen gründen, wie es "Evil Customer" über die Bad-Salzuflen-Schwemme erzählt. Im Titelsong des aktuellen Albums "The Kids Are All Shite" regen sich Silvi und Mawe über den miesen Musikgeschmack der Heranwachsenden auf, wenn deren Horizont auf Kaiser Chiefs, Razorlight oder Jets in der Indiedisco ihres Vertrauens beschränkt bleibt. Eine Alternative haben sie auch gleich parat: "Let's Kiss And Listen To Bis".

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