Mousse T. auf der NDR-Bühne - Stark moussierender Mix

 

Das hätte kein Regisseur besser inszenieren können: Die letzten Takte von "Horny", einer der größten Hits von Mousse T., mündeten beinahe ohne Verzögerung in das Höhenfeuerwerk "Sternenzauber über Kiel".
Ein musikalischer Abschluss der Kieler Woche, der auf der NDR 2-Bühne noch einmal Tausende im Publikum zum Tanzen und Singen brachte. Lebensfreude – made in Kiel.

Ob Rock, ob Soul, ob Pop oder Dance: Die musikalische Spannbreite, die DJ und Produzent Mustafa Gündogdu alias Mousse T. auf dem aktuellen Album "All Nite Madness" mit nationalen und internationalen Stimmen vereint, trifft wirklich jeden Musikgeschmack. Sein Künstlername entspringt dem Spitznamen "Musti", könnte aber auch die süße Cremigkeit von Mousse au chocolat umschreiben. Und dank der zehnköpfigen Backing-Band mit Bläsern, Backgroundsängerinnen und Percussionist schaffte der Hannoveraner es auch, diesen Sound mühelos auf die Bühne zu bringen.

Gleich die ersten beiden Songs mit bewährter Gastsängerin Emma Lanford umrissen das vielfältige Repertoire der Formation: "Is It 'Cos I'm Cool?" ließ die Hüften schwingen, das hymnisch-rockige "Right About Now" mit dem Kopf nicken – garniert von Lanford's kraftvoller Soul-Stimme und dem perfekten Breitwandsound der übrigen Musiker. Mit dem Wechsel zu James Kakande kamen erneut die Qualitäten zum Vorschein, die bereits im Vorprogramm deutlich wurden: Die Songs des Sängers aus Manchester standen stellvertretend für eine Sommermischung aus Gute-Laune-Reggae ("You You You"), Ska und Schmuse-Soul. Plus Gutmensch-Bonus.

Der Favorit unter den Zuschauern war jedoch Andrew Roachford. Viel umjubelt, sang er "Pop Muzak", "Love", "Tomorrow" als Weltpremiere sowie "This Generation" und ließ die Damen im Publikum dahin schmelzen...nicht nur wegen seiner Stimme. Der Gang in den Bühnengraben mit Mousse T. und dem Saxofonisten führte gar zu Konzert-Hysterie in den ersten Reihen. In der Liga von Seal und Londonbeat hat sich Roachford ein Plätzchen gesichert, das er so schnell nicht hergeben wird.

Emma Lanford übernahm anschließend beim obligatorischen "Sex Bomb" die Rolle von Tom Jones, und selbst ein falscher Einsatz bewirkte ein professionelles Grinsen auf der Bühne. Was machte der Maestro derweil? Der Enddreißiger drückte die Tasten des Fender Rhodes, schlug den Schellenkranz und freute sich darüber, dass die reizvolle Mischung aus Anspruch und enormer kommerzieller Potenz weiterhin so viel Popularität genießt. So konnte auch experimentiert werden: Der Beginn von "Horny" in entschleunigter Jazz-Version war nur am Text wieder zu erkennen. Dann das Hörnersignal – und der Bann war gebrochen: Tanzen bis zum Höhepunkt.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 28.06.2005 01:00