Suche nach dem Moment - Auf dem neuen Album widmet sich Niels Frevert den leisen Tönen


Kiel – Erstmals seit acht Jahren geht Songwriter Niels Frevert wieder mit Band auf Tour. Anlass ist das kürzlich erschienene dritte Soloalbum "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" (Tapete/Indigo), für dessen Aufnahmen er einen kleinen Musikerkreis versammelt hatte. Der ehemalige Nationalgalerie-Sänger trifft in seinen Texten die Zwischentöne des Lebens. Ein Meister der Wehmut, der reifer geworden ist, ohne die Träume der Jugend zu opfern.


Wieder Weltruf, wieder Donnerstag, wieder ein neues Album. Was ist diesmal anders?
Ich bringe nicht nur eine Gitarre mit, sondern zwei. Eine akustische, eine elektrische. Das ist für mich schon etwas sehr Besonderes! Eine weitere Tür ist geöffnet, eine weitere Dimension erreicht. Die Gunst zu den beiden Gitarren hält sich in etwa die Waage. Manchmal probiere ich noch aus, bei welchem Song welche besser passt. Nur mit der Akustischen auf Tour ist es mir zu heikel, auch zu traditionell. Ich fühl' mich ja ähnlich Bernd Begemann eher wie ein elektrischer Liedermacher.

Die Songs deines neuen Albums erfordern Publikumsaufmerksamkeit, wenn Streicher, Piano oder Akustikgitarre erklingen – beinahe kammermusikalisch. War dir dieses Element wichtig?
Unbedingt! Darum dreht sich ja die ganze Platte. Ich hasse das Wort „Konzeptalbum“, aber es hat sich in diesem Fall sehr früh angedeutet, dass dieses Album anders werden würde als die Vorgänger. Die Lieder mit der gezupften Gitarre gefielen mir richtig gut, viele mit der Verzerrten ließ ich beiseite. Ein wichtiger Schritt für mich. Das spiegelt auch das Konzept wider: Weiter zu gehen, weiter zu gucken, Neues zu entdecken. Im Studio bin ich auf der Suche nach dem Moment, versuche ihn auf Band zu bekommen, und das bei jedem einzelnen Instrument. Kleine Teilchen, die am Ende ein Ganzes ergeben. Im Grunde ein ständiges Suchen und Sammeln.

Es wirkt jedoch als Album sehr homogen und stringent…
Das freut mich zu hören. Ich hatte ohnehin das Gefühl, ich hab' genug gerockt. Es gibt mittlerweile so wahnsinnig viele Bands, die auf Deutsch singen und rocken – und nicht peinlich dabei sind. Vielleicht war das auch ein Grund für mich, dass ich weiter muss.

„Mit dem Alter fängt man an, sich für Countrymusik zu interessieren“, sangen die Aeronauten 1997. Könntest du dir das auch vorstellen?
Ich trage tatsächlich eine Country-Ader in mir. Besonders gut gefallen mir die Texte: Eine Art amerikanischer Schlager, und die Texte erzählen immer eine gleiche Geschichte. Ganz normale Menschen von nebenan, er verlässt sie, sie findet einen Zettel am Kühlschrank, und so weiter. In dreieinhalb Minuten rund erzählte Geschichten, als würde es in Nashville nur drei Schreiber geben, die aber alle einen richtig guten Dreh haben. Der Rest ist natürlich unerträglich.

Bei deinen Texten fällt auf, dass das Thema Liebe außen vor bleibt, dafür aber Lokalbezug bei „Niendorfer Gehege“ integriert wird…
Ja, ich bin in Hamburg groß geworden und verbrachte in diesem Freizeit- und Erholungsgebiet einen nicht unerheblichen Teil meiner Jugend. Vor allem erinnere ich mich an eine Wiese, wo sich die drei, vier Dorfpunks mit den Hippies zusammen getan haben. Die hingen da einfach rum.

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