Niels Frevert: Konzert im Kieler Weltruf

Wenn man den Namen Niels Frevert liest, fällt einem zunächst unweigerlich die Band Nationalgalerie ein. Frevert war deren Sänger und Gitarrist, feierte in den neunziger Jahren vor allem mit dem Song „Evelin“ vom Album „Indiana“ große Erfolge. Zu einer Zeit, in der deutsche Musikvideos auf MTV noch Seltenheitswert hatten, lief diese Single bereits rauf und runter. Nach vier Alben lösten sich Nationalgalerie 1996 auf - und der in Hamburg lebende Niels Frevert ging eigene musikalische Wege. Auf der aktuellen Platte „Seltsam Öffne Mich“ von 2003 bündelt er Balladen, Alltagsbeobachtungen und eine ganz eigene Atmosphäre. Es sind Songs, die einem den Tag verschönern: „Und eine Ewigkeit scheint so lange wie eine Einwegfeuerzeugstichflamme…“

Wenn Du die momentane Deutschrockwelle und die Zeit mit Nationalgalerie vergleichst, wo gibt es Parallelen oder Unterschiede?

Wenn das in einen Topf geworfen werden soll, dann ist das zumindest der ganz große: die Gemeinsamkeit der gleichen Sprache und die musikalische Ausrichtung in Rock/Pop. Ich freu mich für die jungen Bands, dass sie viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen und im Radio gespielt werden. Die sind doch meistens noch ganz jung, oder? Vor zehn Jahren mussten wir noch gegen wesentlich mehr Vorurteile ankämpfen und auch etliche Vorurteile aus dem Weg räumen. Der Begriff „der Zeit voraus sein“ wäre im Nachhinein zwar etwas pathetisch, aber als Miterfinder würde ich uns schon ansehen.


Siehst Du Dich als Solist eher als singender Literat oder als Texte schreibender Musiker?

Na ja, das Wort 'textlastig' mag ich zumindest nicht so gerne. Mir wäre es schon lieb, wenn das ein Gesamtbild ergibt und sowohl Text als auch Musik so zusammenpassen, dass keines von beiden überwiegt. Ich verstehe mich als Songschreiber und Liedermacher, der statt mit einer Wandergitarre mit E-Gitarre auf Tour geht. So kann sie auch den Raum ausfüllen und teilweise sehr laut werden, ganz ohne Effekte und Spielereien.


Bei den Songtiteln und den Songtexten fällt vor allem auf, dass Du gerne mit Sprache spielst…

Ja, unbedingt. Das ist ja gerade der Vorteil, wenn man in seiner eigenen Sprache textet und singt. Da hat man viel mehr Möglichkeiten, kann Bestehendes umformen, eigene Formulierungen erfinden. Ja, ja, Ausrufezeichen! Das ist mir ganz wichtig. Im HipHop gibt es beispielsweise Dendemann, der es sehr gut drauf hat. Als ich den das erste Mal gehört hatte, dachte ich: Wow! Der jongliert die ganze Zeit mit der Sprache.


Fühlst Du Dich anderen Künstlern stilistisch nahe?

Vor Bernd Begemanns Lebenswerk hab ich jetzt schon sehr großen Respekt. Er hat früh damit begonnen, was andere dann erst viel später nachgemacht haben – so wie ich. Bin auch etwas neidisch auf seinen Titel „elektrischer Liedermacher“…neidisch insofern, als mir das nicht früher eingefallen ist. Das bringt die Sache voll auf den Punkt. Vom Tapete-Label gefällt mir persönlich die Paul Dimmer Band am besten (Frevert sang deren neu aufgenommene Version des Titels „Jeder Versuch“, Anm. d. Red.).


Ist bei Dir mit einem neuen Album zu rechnen?

Meine letzte Platte ist schon ein wenig her, das stimmt. Ich schreibe fleißig an Songs und hoffe, dass der Veröffentlichung im nächsten Herbst nichts dazwischen kommt. Deswegen spiel ich ja unter anderem auch in Kiel: Zum einen um schon neue Songs live auszuprobieren, zum anderen um erstmal das aktuelle Album vorzustellen. Nach der Tour geht’s dann ins Studio. Aber darüber reden möchte ich nicht, da bin ich abergläubisch.

Donnerstag, Weltruf (Lange Reihe 21-23), 21 Uhr, Support: Saender (Köln)