NMFarner kommen ins Weltruf

Von Henrik Drüner

Gebt mir ein N (Norman Nitzsche)! Gebt mir ein M (Masha Qrella)! Gebt mir ein Farner (Christian „Chrigel“ Farner)! Gebt mir: NMFarner! Das AllStar-Trio aus Berlin, ansonsten bei Knarf Rellöm, Mina und Contriva aktiv, kommt mit seinem zweiten Album „Das Gesicht“ zum Auswärtsspiel nach Kiel ins Weltruf. Eine Coverversion von „Unsere Stadt“ (Die Regierung) war 2004 der Ursprung, aus der dieses hochkonzentrierte Extrakt aus forderndem Gesang, kantiger Gitarre, verzerrtem Bass und rumpelndem Schlagzeug geboren wurde. 80er Punk mit Pop-Appeal, Querstellen mit Tanzbarkeit, veritable Hits - und ein Neuzugang.

Ist NMFarner für Euch nun Hauptband oder bloß ein Seitenprojekt?

Norman Nitzsche: Wir haben da nie eine große Hierarchie einrichten müssen, weil beispielsweise bei Contriva die letzte Platte schon etwas zurück liegt. Auch mit Mina ist bereits seit längerem ein neues Album geplant, aber durch das gemeinsame Studio vieler Bands verzögert sich die Veröffentlichung ständig. Am ehesten hat Masha durch ihre Solosachen ein Terminproblem, beides unter einen Hut zu kriegen. Sie bekommt auch viel mehr Anfragen nach Konzerten. Aber da wir mit NMFarner bislang noch nicht im Ausland touren, können wir das schon relativ gut miteinander vereinbaren. Für mich persönlich ist es definitiv eine Herzensangelegenheit.

Kommt ihr denn überhaupt zum Proben?

Ja, mussten wir auch. Live spielt jetzt Claas (Gitarre, Gesang, Percussion) bei uns mit, der die Songs bisher noch nicht kannte. Zum Glück hat Chrigel sein Leben im Laufe der letzten Jahre von Zürich nach Berlin verlagert und arbeitet als Zeichner und Maler von hier aus. Häufig ist beim Songwriting anfangs noch nicht klar, wer singen wird. Der erste, der sich bereit erklärt, bekommt den Zuschlag. Insofern fehlt bei uns ein Sänger, der die Band allein verkörpert. Aber dadurch entsteht auch die sehr angenehme Situation, dass wir alle gleichberechtigt agieren. Chrigel trommelt sehr laut - da hört keiner etwas von den Mitmusikern. Bis die Strukturen abgesprochen werden, hat jeder durch diese stark subjektive Herangehensweise schon eine ziemlich genaue Vorstellung von seinem Part, und kann den dann besser gegenüber den anderen verteidigen.

Drei Songs auf Englisch, der Rest deutsch. Wie kam es dazu?

Für mich war klar, deutschsprachige Sachen zu machen. Als wir 2004 anfingen, hat mir von den nachwachsenden deutschen Bands nichts gefallen. Die Idee war dann: Wenn es sonst keiner macht, dann machen wir es halt. Chrigel wollte auf jeden Fall englische Texte („Cheapo“, „Another One“, „Please“, Anm.d.Red.), die beinahe eine Fortsetzung seiner Bilder sind: ziemlich bunt, sehr detailliert. Seine Texte find ich super! Vor allem „Cheapo“ bekommt aus den USA wegen des Textes sehr viel positives Feedback.

Steht der Opener „Wir sind hier!“ eher für einen Slogan oder eine inhaltliche Aussage?

Wir wollten uns etwas aufdrängen und die Ansage in einem unheimlichen Schwebezustand halten, auch, um uns nicht sofort als Sympathieträger zu etablieren. Statt etwas zu erklären, drücken wir lediglich den Finger auf die Brust. Mich interessiert an Texten, wenn sie sich weniger an normale Erzählkonventionen halten. Der Spaß besteht gerade darin, die Leute nicht so eindeutig in die Platte einzuführen. Der Mittelteil („Da sind die, die dich dutzen“, Anm.d.Red.) ist jedoch ein klares Statement gegen eine Vereinnahmung in Form von „Du bist Deutschland“ oder „Gib Deutschland dein Gesicht“, wenn Leute kumpelartig auf dich zukommen und versuchen, dich für ihre Zwecke einzuspannen. Erst kam Misstrauen, dann Wut. Aber wir verstehen uns nicht als Anti-Verein, dem es darum geht, sich so räudig wie möglich zu verhalten.

Donnerstag, 21 Uhr, Weltruf.