noJazz

„Es ist zwar früh, aber ich möchte mir die Stadt angucken - von daher passt das schon“, klingt Bilbo alias Pascal Reva erstaunlich erholt durch die Telefonleitung seines New Yorker Hotelzimmers. Der Gitarrist und Schlagzeuger der französischen Formation noJazz erobert mit seinen Kollegen derzeit neues Terrain: von New Mexico bis Manhattan, von Clubs bis Open Air-Festivals - noJazz go America. „Have Fun“ (Warner) ist dabei nicht nur der Titel ihres dritten Albums, sondern fasst auch die momentane Philosophie des Quintetts griffig zusammen: „Es spiegelt einfach die Stimmung wider, in der wir die Platte aufgenommen haben; ebenso unsere Attitüde, mit der wir auf der Bühne agieren und die Zuschauer animieren wollen.“

Reva, Phillippe Selam (Saxofon), Guillaume Poncelet (Trompete, Fender Rhodes), Philippe Balatier (Keyboards) und DJ Speeder Mike sehen sich als Verfechter eines einzigartigen Konzepts, das sich seit 2000 aus Kreativität und Eklektizismus entwickelte. Kreuz und quer schießen die Stile aus den Songs, von hochenergetischem HipHop („Waka“) über Breakbeats bis hin zu Soul-Pop („Nobody Else“). Ganz unverkrampft, wie Reva betont: „Der Druck war diesmal nicht so groß. Keine Diskussion darüber, ob wir Electro-Jazz machen, eine Funk-Band sind oder was auch immer.“ Zumal das Songwriting genauso wie die Ausrichtung jedes Songs von demjenigen abhängt, der die Idee einbringt. „Wir kommen aus musikalisch absolut verschiedenen Ecken, so dass wir uns nie auf nur einen Stil einigen könnten. Wahrscheinlich ist gerade das unser besonderes Kennzeichen.“

Wayne Vaughn sorgte in dem Studio in Los Angeles für den passenden Sound, unterstützt von illustren Gästen: Earth, Wind & Fire-Gründer Maurice White verfiel der Musik der fünf wilden Franzosen, ebenso Flamenco-Gitarrist Louis Winsberg oder Percussionist Minu Cinelu. Doch vor allem kam der Kontakt zu Stevie Wonder zustande, der bei „Have Fun“ und „Kool“ mit Mundharmonika und Stimme zum Einsatz kommt. Reva gerät ins Schwärmen: „Es war wirklich unglaublich! Wenn man mit ihm ins Restaurant geht oder durch die Stadt zieht, zeigen ihm alle Passanten so viel Anerkennung und Liebe. Nicht so ein kurzzeitiges Fan-Ding, sondern großer Respekt.“ Zumindest eine Herausforderung für noJazz, eines Tages ähnliche Reaktionen hervorzurufen. Henrik Drüner