Frei nach Schnauze - Ohrbooten kommen in die Pumpe


Kiel – Ja, HipHop ist drin. Und ja, auch Reggae. Doch da zwischen gibt es eine Menge stilistischer Farben zu entdecken, die den Sound der Ohrbooten zusätzlich ausmachen. Das Berliner Quartett nennt diese scheuklappenfreie Mischung "GypHop", entweder angelehnt an die englische Bedeutung für Nepp oder an Gypsy-Musik, deren Attitüde sie teilweise in sich tragen. Im Rahmen des Kultur-Rauschs kommen die Ohrbooten auf ihrer Spieltrieb-Tour 2006 in die Pumpe.

Ende der Neunziger traf Texter und Sänger Ben Pavlidis auf Gitarrist Matze. In den Fußgängerzonen der Hauptstadt machten sie Straßenmusik und verwandelten die Plätze vor Einkaufszentren und Schnellrestaurants in überaus geeignete Bühnen. Am Anfang brauchte es reichlich Mut und Überwindung, etliche Verfahren wegen Ruhestörung dokumentieren zudem die mühsame Anfangsphase ihres musikalischen Schaffens. Doch schon bald zelebrierten und perfektionierten Ben und Matze diesen Lifestyle. Die Vorteile liegen auf der Hand: "Für uns ist es der direkteste Draht zu den Menschen und bietet uns mehr Möglichkeit zur Interaktion mit dem Publikum als auf einer großen Bühne. Wir erreichen dort Menschen, die sonst vielleicht nie auf uns aufmerksam würden. Nirgends sonst ist die Reaktion so unverfälscht."

Wer es schafft, die Passanten zum Verweilen und Mitwippen zu bewegen, hat den schwierigsten Teil des Geschäfts verstanden. "Manchmal sind wir richtig eingekesselt", erzählt Keyboarder Noodt von diesen Spontan-Konzerten, von denen eines auf dem Video zur ersten Ohrbooten-Single An alle Ladies zu sehen ist. Im Proberaum ging es mit dem vierten Ohrbooten, Bassist Onkel M, daran, als vollwertige Band die Hörer auch auf anderem Wege zu erreichen. Sie greifen dabei auf Cajon, Nasenflöten und bewusst verstimmte Gitarren zurück, um eine möglichst individuelle Instrumentierung zu verwirklichen. Ein Natural Sound System, das seinem Spieltrieb freien Lauf lässt.

Diese Unbekümmertheit konnten die Ohrbooten nun auf ihrem Debütalbum Spieltrieb konservieren: Reggae-angehauchter Großstadtsound, wie ihn auch Seeed oder Les Babacools in den Mainstream gebracht haben. Immer dabei: Eine typische Berliner Mundart, die sie in der Musikszene jetzt schon unverwechselbar macht. "Berliner Schnauze bounct einfach. Viele Reime und Formulierungen würden auf Hochdeutsch nicht funktionieren. Der Slang transportiert ein Lebensgefühl, aber deswegen sind wir noch lange keine Lokalpatrioten." Nach Sido, Bushido und der ganzen anderen Aggro Berlin-Posse zeigt sich Berlin zur Abwechslung mit Gute-Laune-Nummern. Bei dem Mix aus deutschsprachigen Texten, jamaikanischen Rhythmen, lateinamerikanischer Percussion und Berliner Schnauze lassen einem die Ohrbooten eh keine andere Wahl.

Donnerstag, 16. März, Pumpe, Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr

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