Oliver Pocher zielte im MAX auf den schnellen Lacher

 

Oliver Pocher beherrscht das: Witze auf Kosten anderer machen, dabei nicht vor persönlichen Beleidigungen zurückschrecken und trotzdem sauber aus der Sache herauskommen. Irgendwie. Lausbubencharme? Vielleicht. Zumindest stünde der 27-jährige Kölner und Moderator einer eigenen TV-Show ("Rent a Pocher") ohne dieses Stilmittel heute nicht da, wo er ist: im MAX, vor vollem Haus. Alle wollen wissen, wie und warum aus dem Realschüler, Zeugen Jehovas und Versicherungskaufmann ein Hoffnungsträger der deutschen Comedy-Szene wurde. Zum Ende der zweimonatigen It's my Life-Tour 2005 gewährt Olli vermeintliche Anekdoten "aus dem Leben eines B-Promis". B für zweite Wahl, zweite Liga, mit Aufstiegschancen in der nächsten Saison der Comedy-Meisterschaften? Und wie kommt der Fernseh-Erprobte mit einer großen Show-Bühne klar?

Erst einmal tanzend und singend. Zur Einstimmung gibt es Videoclipdancing mit den It's My Life-Versionen von Dr. Alban, DJ Bobo und Bon Jovi; auch Michael Jackson als Tanzvorlage und Zielscheibe geht immer, momentan besser denn je. Seine Bewegungen sind generell gut, nicht nur beim Tanzen: nicht so einstudiert oder perfekt, dass man Fehler suchen müsste, aber so unverkrampft, dass der Comedy-Part aufgelockert und belebt wird.

In dem karikiert er Kindersendungen, zeigt sich als sensibler Beobachter des verborgen Offensichtlichen, erzählt vom ersten Petting mit 17 bei der Musterung; Zuschauer werden aktiv mit eingebunden, müssen herhalten bei den verbalen Einschlägen. Manchmal geht ein Raunen durch die Reihen, wenn Olli demagogisch erhitzt ins Headset brüllt, doch er ist ein Frauentyp, "von der Solariumsfachangestellten bis zur Bibliothekarin", wie er es formuliert: Pocher ist frech, vorlaut, tabulos, schlagfertig in Situationskomik.

Nach der Pause im fast dreistündigen Programm hat sich Pocher frei geredet, wird gleichzeitig derber, beinahe wahllos bei den Themen, zielt auf den schnellen Lacher. Witzig die Vorstellung, wie Adolf Hitler mit seinen kleinen Enkeln und Neffen "Schiffe versenken" spielt, ansonsten dominiert die Trilogie aus Fußball, Papst ("Der Papst heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix!") und Ficken. Sex sells, auch und besonders in der Comedy, erkennbar an der enormen Zoten- und Kalauerdichte, die am Stammtisch unter Tischplattenniveau anzusiedeln wäre. Kiel: begeistert. Zum Abschluss mimt er die Backstreet Boys, intoniert Larger Than Life? Hoffentlich kein Größenwahn. Der Onkel macht doch (nur) Spaß.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 11.06.2005 01:00

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1658452

http://www.cl-k.de/service/Juli05_11.htm