Ensembles der Orchesterakademie des SHMF und Sänger des „Teatro Lirico Sperimentale“ in Salzau

 

Eine internationale Kooperation, die für die Zukunft Großes erwarten lässt, aber bereits in der Gegenwart glänzt, scheint auf Initiative von Mahler-Enkelin Marina Mahler und dem Intendanten des SHMF Rolf Beck entstanden zu sein. Vierzehn Musiker der Orchesterakademie musizierten in der gut gefüllten Salzauer Konzertscheune gemeinsam mit zwei Sängern des italienischen „Teatro Lirico Sperimentale“ aus Spoleto, das 1947 von Adriano Belli gegründet wurde, um junge und begabte Sänger mit abgeschlossenem Studium auf ihr Debüt vorzubereiten. Zwischen Schumann und Berio spannte das Kammerkonzert einen vielfältigen Bogen mit Werken des 19. und 20. Jahrhunderts.

Bei Jan Koetsiers „Introduktion und Variationen“ über das „Vysehrad“-Thema von Smetana für Harfe und Blechbläserquintett, op.71 traf klassische Komposition auf teils moderne Rhythmen. Harfenistin Emilie Jaulmes verlieh den tondichterischen Geschichten und Mythen Böhmens den klanglichen Unterbau - ummantelt von den Blechbläsern. „Toward The Sea III“ des japanischen Komponisten Toru Takemitsu basiert melodisch auf den drei Tönen Es-E-A und vermittelt somit selbst innermusikalisch das maritime Sujet. Flirrende, schwebende Querflötentöne (Jean-Christophe Maltot) und kontrastierende Harfe (Jie Zhou) vertonten brillant diese Wesensart in den introvertierten, nachdenklichen, beinahe kontemplativen Arrangements. Den ersten Gesangspart übernahm anschließend Gabriele Ribis bei Arnold Schönbergs Bearbeitungen von Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Vor allem in den Abschnitten „Ich hab’ein glühend Messer“ und „Die zwei blauen Augen“ wusste sich der Italiener zu steigern und untermauerte eindrucksvoll die Dramatik schicksalhafter Liebe.

Nach der Pause verblüfften Ravels „Chansons Madécasses“ von 1926 durch die Kombination von Klavier, Flöte und Cello. Im Zusammenwirken mit der Stimme entstanden teils sanfte, teils schrille Klänge mit formaler Vitalität und musikalischer Leuchtkraft, denen ein sehr strenger Kontrapunkt zugrunde liegt. Für Carla Regina eine diffizile Aufgabe, die sie mit Bühnenpräsenz und opernhaftem Gestus meisterte. Umso vertrauter erklangen der erste und vierte Satz aus Schumanns Klaviertrio Nr.1 in d-Moll, op.63. Deren Anweisungen „Mit Energie und Leidenschaft“ sowie „Mit Feuer“ nutzten die drei Musiker mit intensiver Kraft des Ausdrucks und ernteten vom fachkundigen Publikum nach der fulminanten Coda rauschenden Beifall. Weltmusik der besonderen Art boten abschließend Luciano Berios „Folk Songs“: Elf Lieder aus acht Ländern, mit den teilweise landestypischen Figurationen und Tanzrhythmen. In den englischsprachigen Volksliedern wirkte Regina weniger authentisch als in den mediterranen Überlieferungen.