Latino-Punk-Fiesta in der Halle400 mit Panteón Rococó und Argies

Die Mestizo-Welle ist nicht aufzuhalten: Immer mehr Bands aus Latein- und Südamerika schwappen nach heimischem Erfolg über den großen Teich und bescheren den Konzertbesuchern in Europa großartige Live-Erlebnisse voller Energie und Leidenschaft. So auch Panteón Rococó, die 2003 noch die Alte Meierei ausverkauften und in diesem Jahr bereits die Halle400 buchen können.

In Mexiko hat das elfköpfige Kollektiv Superstarstatus: Ihr aktuelles Album Compañeros Musicales verkaufte sich dort bereits im ersten Monat mehr als 40000 Mal, im vergangenen Herbst wurden Panteón Rococó für die MTV Latin Music Awards nominiert. Ihre Version des Bobby Hebb-Klassikers Sunny, bei ihnen in Sonia umbenannt, führte lange Zeit die Landescharts an. Seit 1995 sind sie mit stetig wachsender Besetzung und Anhängerschaft unterwegs, um den treibenden Musikstil zwischen Ska, Reggae und Punkrock unters Volk zu bringen. Versetzt wird diese Mischung zusätzlich mit zahlreichen südamerikanischen Rhythmen, sei es Rumba, Salsa, Cumbia, Merengue oder Mariachi, die in ihre Songs mit einfließen. Die Grundlage dafür ist die im Laufe der Jahre zusammengestellte und mittlerweile perfekt eingespielte Bläsersektion, gepaart mit einer Rhythmusgruppe, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Ein anderer, ganz wichtiger Aspekt bei Panteón Rococó ist ihr politisches Engagement: Sie unterstützen mit Texten und Taten die nach Gleichberechtigung strebende Zapatisten-Bewegung in ihrem Heimatland. Die EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional, zu Deutsch "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung") ist eine bewaffnete revolutionäre Gruppe in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos. Das Publikum soll für gesellschaftliche, kulturelle und soziale Probleme sensibilisiert werden. Ebenso nutzt die Band ihren Erfolg, um kleineren mexikanischen Betrieben gegen die Machtspiele von Mafia und Großkonzernen zu helfen.

Die Vorband Argies kommt ursprünglich aus der argentinischen Stadt Rosario, seit 1995 leben sie jedoch in Buenos Aires. So wie ihre musikalischen Wurzeln im britischen Punkrock der Siebziger – was sich nicht nur in einigen Clash-Coverversionen zeigt – liegen, so ist ihre Musik heute mit zusätzlichen Elementen von Reggae, Funk, Ska, Dub und Latino-Rhythmen gespickt. Vier Alben hat die Band bisher veröffentlicht und auch die Toten Hosen auf einer ihrer Deutschland-Tourneen begleitet. Wie Panteón Rococó singen Argies spanisch und binden in ihre Texten ebenfalls explizit politische Botschaften ein.

Heute, Halle400, Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 29.07.2004 01:00