Pat Cash, Nico Suave und Franky Kubrick - Verbales Muskelspiel


Kiel – Wenn drei der wortgewaltigsten Rapper des Landes zusammen durch die Clubs ziehen, dann ist Alarm angesagt. Pat Cash, Nico Suave und Franky Kubrick sind auf "Hin & Weg Tour 2006", wollen sich und den befreundeten Konkurrenten beweisen, was sie draufhaben. An Rhyme-Skillz, an Flow, an Party-Power. In ihrem Schlepptau die empfangsbereite Fan-Basis, die ordentlich "Lärm macht" und den HipHop-Abend anlässlich des sechsten Luna-Geburtstags zu einer feierlichen Zeremonie emporhebt.

Pat Cash kommt als erster auf die Bühne. Zu Sirenengeheul, um ein tönendes Signal zu setzen. Begleitet wird er von DJ Sparc, der alle drei MCs mit Beats füttert und den Job des Backgroundsängers übernimmt. Pat Cashs Outfit mit Cap, um den Hals geworfenem Handtuch und XXL-Shirt entspricht zum Gähnen oft wiederholten Klischeevorstellungen, die aber umso konsequenter bestätigt werden. Sowohl auf als auch vor der Bühne wird HipHop gelebt, in Worte gefasst im Song Mein Traum: "Rap ist mein Leben, mein Traum, meine Leidenschaft." Vorlage dieses Stücks ist Patrick Swayzes "She's Like The Wind", die Produzenten scheinen bei der Auswahl absolut schmerzfrei. Auch andere – oft hochgepitchte – Samples schimmern durch das Dickicht aus Beats und oft sinnentleerter Texte, bilden so ein Fundament der Wiedererkennung, auf dem es sich hübsch metaphorisieren lässt: "Sie zieht mich magisch an, wie Scheiße die Fliegen". In der Info steht "bildhaftes Storytelling" – so kann man es auch umschreiben. Sangria-HipHop auf Ballermann-Niveau, wenn Pat Cash Refrains Marke "Lalalala" vorsingt, um das willige Publikum zu ködern. Die Party steht.

Für Nico Suave ist der Luna ein besonderer Ort, begann doch hier 1998 seine Rap-Karriere. Beim Abschlusskonzert mit EinsZwo traf der Rapper einen DJ namens Sparc – acht Jahre später sind beide wieder hier. Suave, der sich als Jugendlicher "East 17" in den Hinterkopf rasierte, ist in seinen Texten eher zurückhaltend, hebt sich wohltuend ab vom protzigen Battle-Getue. Er mimt den Geschichtenerzähler, der alles aufgreift, was er erlebt hat. Ein Wühler im Urbanen, der mal in seiner Vergangenheit als Briefträger ("Briefträger-Styles") stochert, mal über "Jugendsünden" philosophiert. Geschmackvoll wird er von Oldschool-Beats geerdet, die ein wenig Jazz und Funk ins Spiel bringen. Aus dem Publikum wird Kati auf die Bühne gebeten, darf tanzen, mitsingen und sich von ihren Freundinnen auffordern lassen, sich auszuziehen. Den Hit "Vergesslich" kennen hier alle, feiern den Emo-Rapper, der Michael Jacksons Songzeile beherzigt: "I'm a lover, not a fighter."

Franky Kubrick dagegen ist eher der Fighter, zumindest klingen seine Rhymes wesentlich härter und bissiger. Das aktuelle Mixtape "Mein Moneyfest" spiegelt die Inhalte wider, die er als Rapper vorleben sollte: Knete, Zaster, Kohle. Für Frauen, für Bling-Bling. Im Studio half ihm dabei Kool Savas, auf der Bühne sind es Amaris und Jifusi – verbaler Höchstdruck zu dritt. Selbst nach drei Stunden Lärmmachen geht die Crowd bei jeder Aktion mit, lässt sich aber auch gerne bitten, um entsprechend zu reagieren. Und die Szene lebt: Eifrig werden zwischen den Auftritten CDs mit eigenen Beats und Rhymes an die Mikro-Gäste ausgehändigt. In der Hoffnung, bei einer der nächsten Kollaborationen berücksichtigt zu werden oder den Label-Betreibern aufzufallen. HipHop, you don't stop!

Von Henrik Drüner

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