Pelle Carlberg kommt mit seinem Album "Everything. Now!" ins Nachtcafé

 

Kiel – "Wenn ich mich hinsetze, um einen Song zu schreiben, dann sprudelt es ganz unwillkürlich heraus. Wenn ich etwas sagen will, dann sage ich es mit einem Lied. Ich brauche da nicht lange zu überlegen, es passiert einfach." Pelle Carlberg, eine nicht versiegende Songwriting-Quelle? Zumindest braucht er nach eigener Aussage nie länger als eine Stunde, um ein weiteres Werk aus den Fingern zu saugen. Meist ist es traurige Popmusik, die der Schwede mit seinem eigenen Charme umhüllt und daraus etwas ganz Großes zaubert.

Das pressfrische Album heißt Everything. Now!, veröffentlicht vom geschmackssicheren Labrador-Label aus Stockholm. Dort ist Pelle Carlberg auch mit der Band Edson – benannt nach Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pelé – unter Vertrag. Seit 1998 und drei Platten konnten sich die Pop-Lieblinge in die Herzen der Indie-Fans spielen und Carlberg als Kopf und Sänger die wohlverdiente Anerkennung bei den Kollegen ernten.

Jetzt konzentriert er sich auf sein Soloprojekt, das einen ähnlichen musikalischen Charakter aufweist wie Edson: Lieder zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, ein Gesamtkunstwerk zwischen Melancholie und Optimismus, dessen Einflüsse zeitlich weit auseinander liegen. Cat Stevens, Simon & Garfunkel oder Nick Drake schimmern zwischen den Takten hervor, Carlberg lässt sich aber auch von aktuellen Künstlern wie Ryan Adams oder The Hidden Cameras inspirieren. Er pickt sich das Beste aus all diesen Lieblings-Acts heraus und berichtet beispielsweise bei Telemarketing mit seiner wohligen Stimme, dass er den netten Telefonverkäufern nichts abschlagen kann ("He knows the tricks and calls me by the first name / It makes me sick but I add a book in spain"). So persönlich und humorig, als sei es direkt seinem Tagebuch entsprungen. Stimmungsvoll klingt das – und einfach schön.

Wenn es darum geht, fundamental wichtige Platten zu nennen, fällt Carlberg auf Anhieb The Queen Is Dead von The Smiths ein. "Das ist ein Album, das mein Leben dramatisch veränderte. Diese Platte ist so viel mehr als nur gute Musik für mich. Sie sagt etwas über mein Leben." Mittlerweile gebe es Platten dieser Art nicht mehr. "Es ist anders als damals mit 16. Ich erinnere mich: Ich fuhr mit dem Fahrrad zum Plattenladen, es regnete. Als ich zurückfuhr, schützte ich die Platten unter meiner Jacke vor den Regen. Ich kam nach Hause, verschloss die Tür, öffnete den Deckel vom Plattenspieler. Die ersten Töne, die die Nadel auf der Platte machte."

Beim Konzert im Nachtcafé wird Pelle Carlberg begleitet von Flemming Borby. Mit seiner Band Labrador – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Plattenfirma – hatte der es bereits im vergangenen Februar geschafft, Kiel mit einer Schicht aus Pop-Zuckerguss zu überziehen.

Montag, 20. März, Nachtcafé, 21 Uhr

Von Henrik Drüner

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