Dreiheiligkeit aus Popband, Dance-Act und Konzerterlebnis: Pitchtuner im Nachtcafé



Mit Erfolg verknüpften die Wahl-Berliner Johannes Marx, Miki Yoshimura und Stefan Weiß das Analoge mit dem Digitalen, den Faktor Mensch mit der Maschine. Und dieser euro-asiatische Eklektizismus wirkte im Nachtcafé so angenehm verspielt, quirlig und leicht überdreht, wie es sonst nur der extreme Enthusiasmus japanischer Popkultur zustande bringt.

Anfang 2002 waren Pitchtuner in der topografischen Konstellation Stuttgart-Osaka-Dresden entstanden und veröffentlichten seitdem die Langspielplatten Flight Up The Winding Stairs und Spiny Lure. Deren Repertoire machte auch das knapp einstündige Konzert aus, in dem das Trio gehörig rockte, einheizte und zum Tanzen trieb. Egal, ob in englisch oder japanisch: Pitchtuner hatten den nötigen Drive, um die Zuschauer vom Barhocker vor die Bühne zu locken.

Das optische Ausrufungszeichen setzte dabei Yoshimura mit einem Headless Bass, langen Fingernägeln und wilder Lockenpracht. Die weit aufgerissenen Augen von Songschreiber, Sänger und Gitarrist Marx schienen die Bedeutung der Texte mimisch zu untermalen, die allein akustisch den Exoten-Faktor erhöhten, obwohl man - zumindest bei den japanisch-sprachigen Songs Shocco oder Chigireta Kumo - kein Wort verstand. Doch auch ohne Textverständnis war es immer Klang und transportierte die Aussage auf anderem Wege, zumal der zweistimmige Gesang eher untergeordnete Funktion hatte. Es dominierten vielmehr Harmonieflächen mit wabernden Sounds (Balmy Fraction), getragen vom schnörkellosen Spiel des stoisch wirkenden Schlagzeugers.

Pitchtuner machten House-Musik, stellten dabei aber die Notwendigkeit von Computern in Frage: Elektronische Elemente wurden aus dem Pioneer-Assistenten in die Trio-Besetzung eingebunden, jedoch nicht aufgesteckt. So gaben sie den Stilen eine Chance zur Verbrüderung und bedienten sich unbekümmert bei Pop, Indie-Rock (Cash) und Electro. Dynamikgrenzen wurden bis an die Grenze ausgelotet und reizten zwischen Funk-Gitarre und Dance-Tracks mit 'Four to the floor'-Attitüde die Suche nach dem ultimativen Popsong vollkommen aus. Besonders die bandinterne Entwicklung innerhalb der Songs war interessant zu beobachten, da jeder der Drei individuell den Aufbau von markanten Strukturen förderte, aber nur im Zusammenspiel ein neues Niveau erreichte. Kaum Ansagen, kurze Pausen, zwölf Songs, eine Zugabe. Volles Programm: Pitchtuner.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 03.11.2004