Planet Asia alias Jason Green lotete im Luna die Extreme aus

Ein HipHop-Abend der Extraklasse, ganz im Zeichen der West Coast. Ein proppenvoller Luna, ganz im Zeichen junger, enthusiastischer Anhänger. Als der Protagonist Planet Asia beim großen Finale nach drei Stunden mit allen Beteiligten auf der Bühne steht, tropft schon Kondenswasser von der Decke und zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen beim Publikum. Aber alle sind sich sicher: Das hier ist außergewöhnlich.

Bei Grandmaster Flash, der im März 2003 in der Pumpe auflegte, feierten die Fans dessen Lebenswerk ab - bei Jason Green alias Planet Asia dagegen einen gegenwärtigen Star, der es vom Underground in San Francisco aus bis zur Grammy-Nominierung für das Cali Agents-Album How The West Was Won gebracht hat. Den HipHop-Reigen eröffnet der gewohnt geschmackssichere DJ Philstarr33, gefolgt von Pyranja, eine der wenigen deutschen, weiblichen MCs mit Dra-Q an den Plattentellern und am Mikrofon. Die gebürtige Rostockerin wirkt leicht affektiert mit ihrer gezwungen tiefergelegten Stimme, erspielt sich schließlich mit einem Gold-Cover von Spandau Ballet aber die Gunst des Publikums.

Bei Main Flow aus Cincinatti steht der Luna gleich beim ersten Song Kopf: Der lange Hungerhaken mit schlabberiger Baggy und Cap begeistert mit einem famosen Rhymeflow. Man kommt beim Beobachten nicht um die Anglizismen herum - zu sehr haben sich die Genre-Terminologien in der Rezeption festgesetzt. Dem Publikum sind solche Feinheiten schnuppe. Es wogt vor der Bühne, bekundet seine Liebe zum HipHop, dem Sound und Lebensgefühl einer ganzen Generation. Einen weiteren Trumpf spielt Soul Sanchez als Gast-MC aus, die - ähnlich wie Fergie bei den Black Eyed Peas - mit ungeheurer Rap-Power und Sexappeal vielen Jungs den Kopf verdreht. Die Stimmung kocht, die Frage-Antwort-Spielchen klappen wie am Schnürchen - dabei kommt Planet Asia erst noch.

Mit Walter "427" Taylor entert dieser die Bühne: zwei Stimmen, die Dinge durch ihren Vibe auf den Punkt bringen und Wahrheit durch ein einfaches "it's like that" verbreiten. Die Beats vom gelassenen DJ Architect kommen mal puristisch, mal mit Fanfaren und Bläsern aufgepeppt aus den Boxen, von denen jeder Akzent ein Nackenzucken auslöst. Green trägt das Symbol der "Goldchain Music Tour" quer durch Europa mit großem Emblem um den Hals, doch wer dabei an Proleten-HipHop denkt, sieht sich getäuscht: Planet Asia steht für "Conscious"-HipHop, verbreitet in den Texten politische und sozialkritische Inhalte.

Und er lotet die Extreme aus, propagiert einerseits das Wahlrecht für junge Amerikaner, ruft andererseits zu "Fuck the government" im Hardcore-Rap auf. Sein Rap-Stil ist hungrig, frisch und energiegeladen. Zwei Alben und mehr als 20 Veröffentlichungen in den vergangenen zwei Jahren sprechen für seinen Tatendrang, der Suche nach einem verbalen Ventil. Für zungenbrecherische Trockenübungen, die selbst Reime von "hit" auf "shit" wie den besten Einfall des Monats erscheinen lassen, erntet Planet Asia Szenenapplaus und offene Münder. Eine Blaupause für die Kieler HipHop-Szene.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 18.11.2004