Kölner Soundsystem Pow Pow Movement zu Gast im Legienhof


Kiel – Als Ingo Rheinbay und Alfred Eskes sich Mitte der 80er Jahre beim Skaten kennen lernten, hätten sie nicht zu träumen gewagt, einmal Mitglieder des erfolgreichsten europäischen Reggae-Soundsystems zu sein. Denn Pow Pow Movement setzen Maßstäbe: Mit ihrem Blick zurück, der den jamaikanischen Traditionen Tribut zollt, und dem Blick nach vorn, der junge Talente erkennt. Am Mittwoch kommen die Kölner auf Einladung von Soulfire Hifi in den Club Tropicana im Legienhof.

Der Ursprung war ein Mix-Tape aus Jamaika, das Ingo (Selector) und Alfred (MC Backra) in die Finger bekamen. Ohne einen blassen Schimmer von einem Soundsystem wollten auch sie diese Art von Musik machen. Inspiriert durch die wöchentliche Radiosendung von David Rodigan, "Rodigan's Rockers", begannen die beiden für einen kleinen Kreis, erste Reggae-Partys zu organisieren.

Mit Erfolg: Schon bald darauf wurde das Petit Prince am Kölner Ring ihre wöchentliche Basis, wo bis heute jeden Freitag die neusten Songs und Riddims gespielt werden. Zwei Pistolenschüsse in einer Comiczeichnung lieferten die Idee für ihren Namen: Pow Pow. Nach einem Jamaika-Trip schloss sich Selector Thomas alias Mr. Brown den beiden an, später stießen noch die MCs Devon und Junior Carl sowie Markus als Operator dazu. Ein sechsköpfiges Kollektiv mit gezielter Aufgabenverteilung, das erst kürzlich mit dem First Sight-Riddim erneut eine viel gelobte Reggae-Produktion veröffentlichte. So steht mit Pow Pow Productions mittlerweile ein zweites Standbein, das auch Tillmann Otto alias Gentleman für seine Platten nutzt.

Vor allem dank der Charterfolge von Sean Paul und Wayne Wonder rückt Reggae/Dancehall von der musikalischen Peripherie immer stärker ins Zentrum. Mussten sich vor nicht allzu langer Zeit jamaikanische Deejays und Sänger noch anbiedern, um im Schlepptau hochkarätiger HipHop- und R&B-Größen Beachtung zu finden, so hat sich der Spieß jetzt umgedreht. Chart-Topper wie Jay-Z, Busta Rhymes, Beyonce und Missy Elliot holen sich nun bei Sean Paul oder Beenie Man den nötigen Hype-Faktor, um im Gespräch zu bleiben. Was gerne als Boom verkauft und gepriesen wird, blickt jedoch auf eine sehr lange Geschichte zurück. In den 50er-Jahren entstanden in Jamaika die ersten Soundsystems, die anfangs mit importierten R&B-Scheiben gefüttert wurden. Auch in Deutschland wäre die heutige Reggae-Szene ohne die Soundsystem-Kultur so nicht denkbar. Ob Concrete Jungle in Berlin, Silly Walks in Hamburg oder Pow Pow Movement in Köln – sie alle haben das Fundament dafür gelegt, dass hierzulande die Reggae/Dancehall-Gemeinde kontinuierlich wächst und die ureigene jamaikanische Musik immer weiter Verbreitung findet. Auch bis nach Kiel, wo der Abend für die lokale Soulfire HiFi-Crew (Selector Mason, Shaheen, Landoman, Cai-Chi, Baz) sowohl Bewährungsprobe als auch Höhepunkt sein wird.

Mittwoch, 23 Uhr, Club Tropicana (Legienhof): Pow Pow Movement (Köln); Support: Soulfire Hifi (Kiel); alle Informationen zum Abend unter www.soulfirehifi.com oder www.powpow.de

Von Henrik Drüner

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