Pretty Girls Make Graves - Sexy Sport Clips

"Da spukt es!" Andrea Zollo bekommt immer noch ganz große Augen, wenn sie vom Studioaufenthalt für "The New Romance" erzählt. Das unweit von Seattle in den Fels geschlagene Studio wartete mit mysteriösen Details wie einem Koffer voller alter Dollarnoten oder einem steinernen Jesusbildnis auf. "Zumindest hat es den Aufnahmen eine gewisse Magie verliehen", bilanziert die sympathische Sängerin und prustet kräftig vor Lachen los. Ihr Freund und Bassist Derek Fudesco (beide vorher bei Death Wish Kids) zerbröselt während des Gesprächs ein komplettes Streichholzbriefchen - vielleicht liegt es daran, dass er in der vergangenen Nacht nicht schlafen konnte und sich die Zeit mit "Sexy Sport Clips" vertrieb.

Mit deren ungewolltem Trashfaktor kann "Élan Vital" nicht aufwarten. Zwar bleibt das Songwriting auch zweieinhalb Jahre nach dem fabulösen "The New Romance" krachig und verschroben, jedoch mit eingängigen Melodien und dem gewissen Etwas in Zollos Stimme. Es gleicht einem Spagat zwischen politischem Durchblick und Ohnmacht, zwischen Sinnsuche und individuellen Wünschen. Neuzugang Leona Marrs am Keyboard sorgt in dem Quintett zusätzlich für Pop-Appeal, erweitert nicht nur bei "Pictures Of A Night Scene" (mit Saxofon und Percussion) oder "Domino" den ohnehin weit gefassten Bandsound.

Wie engstirnig dagegen einige Fans denken, zeigt die empörte Reaktion auf die Trillerpfeife zu Beginn von "The Nocturnal House". Ist doch super, Leute! Bei Pretty Girls Make Graves ist eine Ballade wie "Pearls On A Plate" der Wut ebenso nah wie die gebrochen wütenden Rocker der Hoffnung. Auch ein Verdienst von Colin Stewart, der das Werk möglichst naturbelassen produzierte. Henrik Drüner

Intro-Feature #137