Push

 

So richtig konnte niemand mehr damit rechnen, und umso größer fällt die Freude aus: Push, die Londoner Funk- und Soulband, veröffentlicht acht Jahre nach dem Debüt „Can’t Fight It“ ihr zweites Album „People“. Wieder auf dem Soulciety-Label, wieder mit den Elementen allerfeinsten Rare Grooves – ganz so, als sei die kreative Pause nur ein Fingerschnippen für das vielköpfige Kollektiv gewesen, das Mitte der Neunziger aus der Rhythmusgruppe von Galliano entstand.

Untätig blieben die Akteure jedoch nicht: In der Zwischenzeit tourte beispielsweise Schlagzeuger Crispin Taylor mit Zero7, während Bassist Ernie McKone und Jacko Peake (Saxofon und Flöte) bei Paul Weller aushalfen. Die britische The Jam/Style Council-Ikone wiederum ließ es sich nicht nehmen, beim Song „Stomp” die Gitarrenspuren einzuspielen: „Zur Anfangszeit von Push hatte er großen Einfluss auf die Band. Er wollte schon bei der ersten Platte mitmachen und bat jetzt erneut darum, an den aktuellen Aufnahmen beteiligt zu werden. Also kam er ins Studio und machte sein Ding - nicht schlecht, wie ich finde“ erzählt McKone und lacht durch die Leitung.

Push stehen auch im Jahr 2004 für einen geschmeidigen Sound mit scharfen Bläsersätzen und dem perfekt aufeinander abgestimmten Fundament aus Bass, Gitarre und Schlagwerk. Der Gesang von James B. Coleman und der Gäste Camelle Hinds sowie Noel McCalla bereichern noch zusätzlich das satt groovende Extrakt. Eine Veränderung besteht im Weglassen des Live-Keyboards. McKone: „Wir mussten uns weiterentwickeln, und das haben wir mit „People“ auch geschafft. Die neue Rhythmusgruppe schafft einen raueren und härteren Klang.“ Studioarbeit scheint ohnehin das Nachsehen im Vergleich zur Live-Situation zu haben, denn wie bei Galliano dreht sich auch bei Push alles um Konzerte und die Reaktion der Zuschauer.

Der zeitlose Charakter der Musik ist ebenso wichtig, denn „ich möchte das Album auch in fünf oder zehn Jahren noch mit dem gleichen Gefühl wie heute hören können“ betont der sympathische Brite aus dem Norden der britischen Hauptstadt – zumal dort Etiketten mittlerweile total passé sind: „Wir waren da, bevor Acid Jazz kam und wir werden noch lange nach Acid Jazz da sein. Die Musiker fangen wieder an, ungeachtet der Schubladen einfach miteinander zu jammen. Und es gibt wieder Leute, die Musik hören wollen.“ Eine Entwicklung, die positiv stimmt - und die beinahe zwangsläufig in die Arme von Push führt.

Henrik Drüner