Quarks

Wenn Jovanka von Willsdorf gleich im Opener „Du entkommst mir nicht“ mit den Worten “Ich will dich haben/ und eines Tages/ hab ich dich” einsetzt, wird so vieles klar. Es ist das Einfache im Komplizierten, das Schlüssige im Unkonkreten, was den Hörer gefangen nimmt und für die Dauer von „Quarksland“ nicht mehr los lässt. Bis zum aktuellen Album bestand das Quarks-Universum aus den Elementen von Willsdorf und Niels Lorenz, angesiedelt im Quadranten Prenzlauer Berg, Berlin.

Doch 2003, nach beinahe zehn gemeinsamen Jahren, drei Langspielplatten und mitten in der Produktion verließ Lorenz das Nest im heimischen Wohnzimmerstudio. Nicht unbedingt im Guten, wie man hört. „Eigentlich hatten wir beschlossen, die Platte zusammen zu Ende zu bringen, aber das ließ sich gar nicht mehr einhalten. Wir haben die Grundspuren zusammen in meinem Zimmer aufgenommen, und auch da waren die letzten Sachen schon schwierig. Dann kam es zum endgültigen Cut und er hat sich einfach so mehr und mehr aus der Produktion rausgezogen“ verrät die Sängerin und Songschreiberin enttäuscht. Von Willsdorf bekam daraufhin Unterstützung von Moses Schneider und Ben Lauber, zwei erfahrenen Produzenten, die mit viel Gespür den Sound von Quarks aufgriffen und ihn mit rauer Großstadt-Elektro-Akustik weiterführten. Der warmen Intimität von Gesang und Instrumenten werden elektronische Soundscapes entgegengesetzt: ein atmender und zischelnder Mikrokosmos voller Eigenleben. So bekommen die Songs einen roheren, aber gleichzeitig auch dichteren Charakter als ihre bisherigen Veröffentlichungen - ganz im Sinne des Bandnamens, der Quarks als Bestandteile von Atomkernen definiert.

„Quarks-Songs sind wie Reiseberichte“, erzählt von Willsdorf, „deshalb kann man sich in Quarksland auch nicht verlaufen.“ Dabei wechseln sich deutsche und englische Texte scheinbar wahllos ab: „Ich weiß vorher nicht, in welcher Sprache ich schreibe. Ich weiß nur, dass ich es mir nicht verbieten will. Wenn ein Stück beispielsweise in Englisch kommt und es warm und es ein Quarks-Stück ist, dann muss es diese Sprache haben. Und das gleiche gilt für Deutsch. Aber ein Lied sagt mir, in welcher Sprache es sein soll.“ An die Stelle des einst so hochgehaltenen Cocooning-Prinzips, das sich für Quarks seit ihrem Major-Debüt „Trigger Me Happy“ immer stärker ablöste, ist nun die Lust auf Raus- und Nach-vorne-Gehen getreten. „Ich hab um mich herum ganz viele Dinge gesehen, die auseinander brachen und aus denen neue Dinge, eine ganz neue Welt entstanden ist. Das hat mich wahnsinnig interessiert. Von daher ist eine sehr zuversichtliche Platte.“ Komprimiertester Stoff auf kleinstem Raum, gehüllt in Pop. Von Henrik Drüner

Quarks: Quarksland (Home/Sony)