Einzelkämpferischer Rebell am Mikrofon: Rainer Von Vielen im Nachtcafé

 

Im Februar dieses Jahres fuhr Rainer von Vielen nach Wien. Er wollte dort am ProtestSongContest vom Rabenhof Theater und des österreichischen Radiosenders FM4 teilnehmen. Ein Jury-Mitglied hätte lieber einen einheimischen Sieger gekürt - doch auch er konnte nicht verhindern, dass die übrigen Juroren für „Sandbürger“ jeweils die Höchstwertung vergaben. So heißt der Gewinner-Song, mit dem Rainer von Vielen als Akrobat des Wortes seine Medienkritik offen zur Schau stellt: „Ihre Wahrheit ist auf Sand gebaut / Weil jedes Kind ihren Hunger nach Macht durchschaut./ Und wer den Reden dieser elenden Hunde traut / Der wird sich umsehn, der wird sich umsehn./ Wie die Hyänen werden sie um dich herumgehen./ Dich beschnuppern und dich betasten / kartografieren [klick] einrasten.“

Auf seiner „Soundbürger“-Tour durch Österreich, Deutschland und die Schweiz erstreckt sich laut Presse-Info „die musikalische Reise von tiefer gelegten Groove-Nummern über Dancefloor-Bomben hin zu emotionsgeladenen Gänsehaut-Epen, die alle intelligent am 08/15 Popschema vorbei arrangiert wurden“. Begleitet wird der Wahl-Münchener beim Konzert im Nachtcafé von seinem Laptop und dem Schlagzeuger Niko Lai, der auch bei Anne Clark den Rhythmus schlägt.

1998 begann Rainer von Vielen als Ein-Mann-Projekt: Mensch gegen Maschine in den eigenen vier Wänden vor dem Heimcomputer. Das erste Demotape gelangte schließlich in die Hände des HipHop-Aktivisten Chris Maruhn, der es an das Label Deck8 in Dortmund weiterreichte. Die EP „Alles und noch mehr“ wurde veröffentlicht, eine Tour mit Erobique, Gautsch und Lee Buddah folgte. Doch RvV wollte mehr, wollte Drehbücher schreiben, Videos und einen Musikfilm („Zeit ist Jetzt“) drehen und den Soundtrack für mehrere Kurzfilme komponieren. Also ging er an die Filmakademie in Ludwigsburg. Nach dem zweiten Album „0160-98236130“ - seiner damaligen Handynummer - konzentrierte sich Rainer von Vielen verstärkt auf Studioarbeit bei befreundeten Bands. Mit Orange spielte er 2003 den Track „Amun Ra“ ein und war von dem Zeitpunkt an festes Mitglied der Band. Auch mit Good Men Gone Bad und auf dem Denksport-Album „Halbzeit“ entwickelten sich weitere Gastauftritte.

Doch nun ist RvV wieder der Einzelkämpfer, der Rebell am Mikrofon, getarnt als MC. Das aktuelle Album „Rainer von Vielen“ bietet von Kehlkopf-Gesangseinlagen bis hin zum Elektro-Punk-Massaker alles, was man seit der Auflösung der norddeutschen HipHop-Urgesteine Fischmob immer mal wieder hören wollte. Ganz getreu dem Tour-Motto: HipHop jenseits des Mainstreams, „der Atome spaltet und Inzest heilt“.

Montag, 21.30 Uhr, Nachtcafé.