The Reverend Vince Anderson

 

Die Entwicklung vom Methodisten zum selbsternannten Rock’n’Roll-Priester verlief für Reverend Vince Anderson anscheinend ohne große Brüche. Ein Christensohn mit dem Aussehen des jungen Dr. John, der rauen und nuscheligen Whiskystimme von Tom Waits, der Poesie eines Charles Bukowski und Unmengen Blues im Blut: „Die Leute fragen mich, ob ich ein Blues- oder Gospel-Sänger bin. Ich kann dazu nur sagen: Es ist dasselbe. Im Grunde hängt es nur davon ab, für wen du singst: Wenn du für Gott singst, dann ist es Gospel. Wenn du aber für den Teufel singst, ist es Blues. Ich habe mir ein Nest in diesem Zwischenbereich gebaut, wo das Heilige das Gottlose trifft. Ich denke, man kann es Rock’n’Roll nennen.“ Die Verbindung von Christentum und Ausschweifung machten ihn somit zu einem selbsternannten Hohepriester des „Dirty Gospel“. Seit sieben Jahren hält der Reverend seine wöchentliche, spezielle Form von Predigt ab; beinahe weltweit, am Montag auch in der Schaubude.

Seinen Geburtsnamen Nathan Robert Anderson legte er ab, nachdem er Bekanntschaft mit Vince Lombardi, dem legendären Trainer der Green Bay Packer, machte. Anderson studierte klassisches Klavier, bevor er in San Francisco einer Neo-Hippie-Kirche beitrat und schließlich 1994 dem Ruf Gottes folgte: In seiner neuen Wahlheimat New York konvertierte der damals 24-Jährige zum Methodisten. Seitdem zieht er als echter Reverend mit seiner Backing-Band „Love Choir“ durch Bars und Tavernen, um aus Rockern, Zechern und anderen missratenen Schäfchen seiner Gemeinde bessere Menschen zu machen. Er verkörpert also keinen abgehobenen Heiligen, nein, er ist ganz nah dran am Geschehen; ein in schwarzen Zwirn und Strohhut gewandeter, pummeliger Typ mit geflochtenem Zopf und Bart.

Zwei Alben hat er bislang veröffentlicht: „I Need Jesus” und „The 13th Apostle”, die beide Geschichten eines verlorenen Pilgers auf der Suche nach Erlösung an verlorenen Plätzen erzählen. Ein kurioser Mix aus Bar-Blues, Spoken Word mit elektrischer Gitarre und gegrölten Statements bei „Tryin’ To Be An Asshole“. Völlig neu gerät die Interpretation von Bob Dylan’s „Gotta Serve Somebody” und aus Abba’s „Dancing Queen” macht er einen der traurigsten Song, den man möglicherweise je gehört hat. Versprochen wird ein Abend voll seelenvoller, göttlicher Offenbarungen und heiligem Humor. Denn Seelenheil zeigt sich nach Ansicht von Reverend Vince Anderson nicht durch eine Veränderung des Lebensstils, sondern vielmehr durch eine Veränderung der Einstellung.

Montag, Schaubude, 21 Uhr.