Revolverheld auf der R.SH-Bühne: Fast wie ein Heimspiel

 

Revolverheld, das klingt nach Duell, Konfrontation, Übermut und Abenteuerlust. Mit ihrer Debüt-Single ging die gleichnamige Band aus Hamburg noch einen Schritt weiter: Revolverheld wollen die neue „Generation Rock“ verkörpern. Beim Konzert auf der R.SH-Bühne steht folglich die Maxime im Vordergrund, die Teenie-Fans auf diese vermeintliche Jugendbewegung einzuschwören und Mitglieder zu rekrutieren. Mit Erfolg.

Schauer, Blitz und Donner haben nicht nur einige Hundert Zuschauer vom Kieler-Woche-Bummel an die südliche Hörnspitze abgehalten, sondern auch die Technik auf der Bühne leiden lassen. Doch trotz der halbstündigen Verzögerung bleiben die Fans hartnäckig, bevölkern den gesamten Vorplatz. „Kiel, ich will mit euch springen!“, fordert Sänger Johannes Strate vor dem Song „Rock’n’Roll“, und der Aufforderung wird pflichtbewusst Folge geleistet. Man möchte schließlich dazu gehören, zur Generation Rock. Nach oder neben den Kollegen von Die Happy, Silbermond und Juli gehört dem Quintett Strate, Kristoffer Hünecke (Gitarre), Niels Grötsch (Gitarre), Florian Speer (Bass) und Jakob Sinn (Drums) die deutschsprachige Zukunft harter, dennoch eingängiger Rockmusik, die fast völlig auf Experimente verzichtet. Revolverheld sind keine Garagenband, die aus Versehen einen Hit gelandet hat, sondern eine durch die Popakademie gestählte Hit-Maschine. Die richtigen Produzenten kümmern sich um den letzten, marktorientierten Schliff - und aus „faulen Studenten“ (O-Ton Strate) werden reine Rocker. Textprobe eines Zweizeilers: „Zum Castingwahn sind wir der Gegenpol / Was hier passiert ist Rock’n’Roll.“

Eine kompakte Rhythmus-Sektion mit wuchtiger Bass-Drum sorgt für den Unterbau, satte Gitarren drücken die Songs nach vorne, und Johannes Strates prägnante, teilweise kraftmeiernde Stimme gibt die großen Themen vor: Freundschaft, Liebe, Trennung. Einige Dinge ändern sich eben nie. In den Power-Balladen „Romeo“ oder „Die Welt Steht Still“ (mit Pathos-Refrain!) drücken Revolverheld dementsprechend auch auf die Tränendrüse. Hier werden Emotionen freigesetzt, in manchen Fällen über das gesunde Maß hinaus: Mädchen kollabieren vor Entzückung oder Hyperventilierung, lösen sich in Tränen auf, fast wie bei - man muss den bösen Namen einfach schreiben - Tokio Hotel.

Auffallend hohes Gekreische aus den ersten Reihen signalisiert die juvenile Klientel, so dass die Frage „Wer kann sagen, seit Beginn der Kieler Woche nicht mehr nüchtern gewesen zu sein?“ eher rhetorisch zu sehen ist. Die meisten kennen nicht einmal den Zustand des Betrunkenseins, tragen dagegen Shirts mit Aufdrucken wie „Die Intelligenz verfolgt uns, doch wir sind schneller“. Das volle Programm an Animationsspielchen wird aufgefahren, das geht immer, das wollen alle. Ausgebuffte Profis, die Jungs. Sie scheißen auf „Freunde Bleiben“, dem Sieger-der-Herzen-Song vom diesjährigen Bundesvision Songcontest, wollen aber trotzdem „Mit Dir Chilln“. Einzig diese Zugabe lässt mit Percussion und Akustikgitarre „die Zeit einfach mal stillstehn’“, wie es der Text wünscht. Kurze Springpause, runterkommen und Kräfte sammeln für das Finale, den Fußball-Song „Heimspiel“. Das Kiel-Konzert war definitiv eines für Revolverheld.