Sam Ragga Band startet im MAX ihre Deutschland-Tour

 

Mit dem aktuellen Album "The Sound Of Sam Ragga" gelingt der Sam Ragga Band der Schritt vom instrumentalen Dienstleistungsunternehmen zur organischen Band. Rap und Roots sind allerdings nicht mehr dominant, stattdessen bevorzugen die Hamburger mittlerweile dicke Dancehall-Beats.

Marc Wilkes (Gitarre), Alexander Busse (Bass), Oliver Kusterer (Keyboard), Hartmut Karez (Drum) und Detlef von Boetticher (Perkussion) sind nach dem letztjährigen Debüt Loktown Hi-Life nun eine eingeschworene Gemeinschaft - auf die Zusammenarbeit mit Jan Delay wird völlig verzichtet. Stattdessen gehören die drei Sängerinnen Seanie T., Jessica McIntyre und Esther Cowens mittlerweile zum festen Line-up, die bis auf eine Ausnahme (Le Temps Vole) englische Texte singen. Rap und Roots sind dabei in den Hintergrund gerückt. Was die Hamburger mittlerweile nach vorne treibt, sind dicke Dancehall-Beats, die ein weiteres Stückchen in Richtung des musikalischen Mainstreams gehen, sich aber stilistisch sehr offen geben.

"Unser Sound ist reifer und vielschichtiger geworden", erklärt von Boetticher. "Die musikalischen Einflüsse jedes Einzelnen fließen stärker in den Gesamtsound ein und spannen den Bogen von Afro- und Latin-Elementen bis zu Funk und Rock, die in den typischen Reggae-orientierten Sound eingeflochten werden." Da privat auch Sonic Youth, The Fall oder die Talking Heads gehört werden, verwundert es nicht, dass eine Coverversion von Atmosphere der englischen New Wave-Pioniere Joy Division auf das Album gelangte. Der ursprünglich düstere Song wird in den Händen der Hamburger zur beseelten Dub-Nummer und bildet einen vergleichsweise starken Kontrapunkt zum übrigen Material. "Die Integration von Widersprüchen ist für uns wichtig", bestätigt Wilkes die neue Zielsetzung. "Ein künstlich homogenes Image würde vielleicht unsere Verkaufszahlen steigern, uns aber menschlich in Räume bringen, in denen wir uns nicht wohl fühlen."

Die Single Schade wurde in Zusammenarbeit mit Nena eingespielt. Nena? "Ja! Und wir sind alle ziemlich begeistert von dem Track, auf dem sie singt. Irgendwie hat sie Loktown Hi-Life in die Hände bekommen und war daran interessiert, mal etwas anderes auszuprobieren. Also kontaktierte sie uns und fragte, ob wir Lust hätten, etwas mit ihr zu machen." Entstanden ist ein sonnendurchfluteter und melodiöser Reggae-Pop-Song, der die Band aber vor keine Gewissenskonflikte stellt: "Ja, es ist Popmusik. Wir haben auch keine Angst vor dem Begriff. Wir sind keine Reggae-Band im klassischen Sinne, versuchen nicht, irgendwelche Styles zu kopieren oder nachzuspielen." Eines ist sicher: Beim Tour-Auftakt der Sam Ragga Band in Kiel werden die Zuschauer einen kurzweiligen Urlaub für die Seele buchen können.


Morgen, 20 Uhr, MAX

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 06.10.2004