Samy Deluxe teilte im MAX nach allen Seiten ordentlich aus

Auf seiner aktuellen Single rappt Samy Deluxe: "Ihr wisst, dass ich zurück bin und so deluxe kling, verdammt noch mal die Leute lieben meinen Scheiß, ihr fragt euch wo die neuen Hits sind, braucht was zum mitsingen, vergiss die anderen mal und gib mir das Mic." Ansage genug, um im fast ausverkauften MAX auf der "Verdammtnochma!"-Tour 2004 zu zeigen, ob das alles heiße Luft oder - wie in seiner HipHop-Sprache - heißer Scheiß ist.

Samy Sorge, bürgerlicher Name des 27-jährigen Hamburgers mit sudanesischem Vater, will wieder auf den selbst gebastelten Thron als deutscher HipHop-König. Lange genug hat er sich die Anfeindungen aus der Szene anhören müssen, die ihm vorwarfen, dass er zu kommerziell geworden sei und den Underground-HipHop nicht mehr repräsentiere. Viel Feind, viel Ehr. Doch Samy wusste schon immer genau, was er wollte: "Entweder werde ich Drogendealer oder Millionär", soll er seiner Mutter als Kind mitgeteilt haben.

Da nun eher letzteres eingetreten ist, teilt der Egomane nach allen Seiten hin ordentlich aus: Klatschpresse, Politiker oder Kollegen wie DJ Tomekk bekommen in den Wortschwall-Versen seinen Undank zu spüren. Die Selbstbild wie Weltbild prägenden Ansichten in den Texten drehen sich meist um den eigenen Bauchnabel, thematisieren die Gerüchte um seine Person ("Hab' gehört"), seine Fähigkeiten ("Wickeda MC", "Der Beste") oder den Hang zum Weed ("Grüne Brille"). Doch er mimt auch den gereiften Künstler, berichtet von der Verantwortung als Vater und mahnt, dass betrunken Autofahren kein Kavaliersdelikt sei. In "Generation" beklagt er sich: "Zu viele Leute meiner Generation haben keine Motivation und Inspiration, sind immer besoffen und immer nur stoned" - da konnten The Who vor 34 Jahren auch schon ein Lied von singen.

Bassig dröhnt der Sound von DJ Mixwell aus den Boxen und lässt Wände und Nasenflügel vibrieren - teilweise schon über dem Maß des Erträglichen hinaus. Aber die meist jungen Fans feiern ihren Helden, der mit seinem zweiten Soloalbum "Verdammtnochma!" auf dem eigenen Deluxe-Label verstärkt Beats im US-Stil integriert: "Weck mich auf" brachte bereits einen Vorgeschmack auf das, was "Bereit" oder "Gott sei Dank" jetzt als Standard festlegen. Soulo von den Headliners und der kraftvoll rappende Charnell aus Berlin übernehmen die Rolle des Assistenz-MCs, der zweistimmige Backgroundgesang mit Teilzeit-Frontmann J-Luv verhilft zu mehr Vokalfülle. Das Konzert in Kiel markiert den Tour-Auftakt, da läuft auf der Bühne verständlicherweise noch nicht alles rund. Doch die Resonanz davor sollte Samy Deluxe in seinem Glauben stärken, dass er wirklich der Beste, Größte, Schönste und Bekiffteste ist.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 25.11.2004