Schrottgrenze - “Fantastic Voyage”-Prinzip

 

Schaffe, schaffe, Schlössle baue! Darunter machen es Schrottgrenze nicht mehr. "Château Schrottgrenze" heißt entsprechend der Palast mit elf unterschiedlichen Räumen, die sich die Band mit Architekt Tobias Levin nach Herzenslust eingerichtet hat. Der Albumtitel symbolisiert eine inhaltliche Klammer, ohne muffelig nach Konzeptalbum zu riechen. Zwar wurde das Fundament noch mit Punk-Beton gegossen, doch davon merkt man kaum noch etwas. Deutschsprachiger Indierock ist das Stichwort, die größer werdende Diskrepanz zum Bandnamen ein anderes. Aber lassen wir das. "Da hängen nach zwölf Jahren auch viele Geschichten, unzählige Konzerte, Besetzungen und so weiter dran", plädiert Sänger und Songschreiber Alex Tsitsigias für die Konstanz.

Früher saß er noch am Schlagzeug, bis es vor allem bei Konzerten zu sehr nervte. Instrumente wurden also hin- und hergetauscht und mit Caddy ein neuer Drummer gefunden, der als langjähriger Freund keine Eingewöhnungszeit brauchte. In Hamburg treffen sich Schrottgrenze zu regelrechten Probenwochen - Bassist Pohn (Braunschweig) und Caddy (Köln) wohnen dann bei den Kollegen Tsitsigias und Gitarrist Sauer. Ein Indiz für interne Harmonie. Wenn es um die Themen der Songtexte geht, ist Alex jedoch ganz strikt: Beziehungskisten bleiben außen vor. Viel lieber bringt er seine "Lehnstuhl-Ethnologen-Trips" ins Spiel, bei denen er Naturbilder sammelt und daraus den Text strickt. Bei "Alaska" etwa waren es Gletscher und Vulkane, die weite Einsamkeit und der Goldrausch am Klondike River. "Das geht dann beinahe nach dem 'Fantastic Voyage'-Prinzip." Henrik Drüner

Intro-Feature #137