Maria Solheim hat sich als moderne, innovative Songwriterin etabliert

 

Man könnte es beinahe naiv nennen, mit welch charmanter Unschuld Maria Solheim das Leben angeht, so ungekünstelt und aufrichtig wirkt die Singer/Songwriterin sowohl privat als auch in ihren Songs. An Kreativität scheint es der 22-jährigen Norwegerin jedenfalls nicht zu mangeln: Mit Frail (Strange Ways/Indigo) stellt sie bereits ihr drittes Album in ebenso vielen Jahren vor.

Bengt Egil Hanssen war es, der das Potenzial der jungen Musikerin frühzeitig erkannte und ihr anbot, das Debütalbum Barefoot zu produzieren. Zwei Veröffentlichungen lang erspielte sich die Sängerin und Gitarristin mit porösen Popwerken und feingliedrigen Arrangements viel Kritikerlob und Fanscharen weit über die Landesgrenzen hinaus. "Bengt ist ein hervorragender Produzent und ein ganz lieber Mensch", zieht Maria ein Fazit, "aber ich fühlte, dass es jetzt an der Zeit war, einmal etwas anderes zu versuchen und ein Experiment zu wagen." Die Produktion der aktuellen Platte gab sie in die Hände von Emil Nikolaisen, "der, nachdem er meine CDs gehört hatte, gleich sehr viele Ideen einbrachte. Er hat zwar nicht viel gesagt, aber so wie ich ihn verstanden habe, hätte er alles anders gemacht. Und da war ich sehr neugierig. Es ging dabei aber nicht darum, das Richtige zu spielen, sondern um die Stimmung und den Sound." Diese beiden Faktoren sind sehr wichtig in Solheims Stilrepertoire, zumal ihr elfenhaft eingesetzter Gesang den Songs oftmals hypnotische Momente verleiht und neblige Spätjahrsstimmungen adäquat in Musik umsetzt.

Es ist die Schönheit der einfachen Idee, die – realisiert mit sparsamer Instrumentierung – den Texten viel Gewicht zukommen lässt. "Sie erzählen Geschichten, die etwas erzählen. Wie bei einem Bild: Der Maler nimmt bestimmte Farben, die ihn ansprechen. Er malt nicht sein eigenes Haus in einer Landschaft – aber es ist trotzdem sein Bild, das er da malt", beschreibt Solheim die Tatsache, dass die Texte nicht alle einen autobiografischen Hintergrund haben. Der Hörer spürt die Intensität der Worte, zumal auch schon ihre eigenen Gedichte in Norwegen veröffentlicht wurden. Doch Stargehabe ist gar nicht ihr Ding – viel zu bescheiden dafür ihr Auftreten. Die musikalische Nähe zu Suzanne Vega dient nur als Vergleich, nicht als Ausdruck einer mangelnden Individualität der Norwegerin. Mit Maria Solheim hat sich eine moderne, innovative Songwriterin etabliert, die stets nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht.


Sonnabend, 21 Uhr, Hansastr. 48

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 15.10.2004 01:00