Die Sterne holen ihr im Oktober ausgefallenes Konzert in der Pumpe nach


Jetzt haben Die Sterne gleich doppelten Grund, nach Kiel zu kommen. Die geplante Herbsttour und damit auch das Oktober-Konzert in der Pumpe musste aus familiären Gründen gestrichen werden. In der Zwischenzeit veröffentlichte die Hamburger Band zusätzlich zur aktuellen Platte Das Weltall ist zu weit eine DVD/CD-Box mit dem Titel Die Interessanten, die in Ton und Bild die Single-Sammlung von 1992 bis heute zusammenfasst.

So können zwölf Jahre Musikschaffen gefeiert werden, dessen Grundtenor sich auf sieben Alben nicht geändert hat: ein zweifelndes Hinterfragen der Dinge, ein Aufruf zur Opposition und das Offenlegen von Missständen in der Gesellschaft. "Wir werden leider das Gefühl nicht los, das irgendwas nicht stimmt" – gleich mit der ersten Textzeile geben Die Sterne die eingeschlagene Richtung des Aufbegehrens vor, das zu Beginn ihrer Karriere mit "Fickt das System" noch drastischer formuliert wurde. Es sind genau die Themen und Standpunkte, mit denen sich auch gleichgesinnte deutschsprachige Songschreiber wie Jochen Distelmeyer (Blumfeld), Rocko Schamoni oder Knarf Rellöm auseinandersetzen. Doch nicht nur Hits wie Universal Tellerwäscher oder Was hat dich bloß so ruiniert zeigen, dass Die Sterne schon immer eine Spur mehr Funk und Tanzbarkeit als andere Schrammel-Bands von der Elbe in sich tragen.

Keine Spur von Müdigkeit oder Altersweisheit – ganz im Gegenteil: Mit eigener Produktion im Proberaumkeller, reduzierten Arrangements und dem Wechsel zu einer kleineren Plattenfirma fördert Das Weltall ist zu weit ganz ausdrücklich den Do-It-Yourself-Gedanken. Frank Spilker, Sänger und Gitarrist: "Eine Erdung des Ganzen war notwendig geworden. Bei den ersten Demo-Aufnahmen zum aktuellen Album hatten wir diese Vision und zogen sie dann konsequent durch." Eine weitere Entwicklung im Bandgefüge: Während bei früheren Veröffentlichungen die Songs auf einem Groove von Schlagzeuger Christoph Leich oder Bassist Thomas Wenzel aufbauten und zusammen erarbeitet wurden, orientieren sie sich mittlerweile verstärkt am klassischen Songwriting – inklusive der jahrelangen Erfahrung gemeinsamen Probens.

Bei Wir rühren uns nicht vom Fleck, einem in Töne gegossenen Sitzstreik, gaben so illustre Studiogäste wie Judith Holofernes (Wir Sind Helden), Thees Uhlmann (Tomte) oder Fettes Brot ihre Stimme des musikalischen Widerstands ab. Die Idee zu dem Song? "Wir dachten, dass es mit so vielen Beteiligten bedrohlicher wirkt und auf etwas Größeres verweist; ein 'Schutz-Wir', das man sich einrichtet, wenn man angegriffen wird", beschreibt der 38-jährige Spilker die Solidarität im Randbezirk. Denn das Weltall ist zu weit – und der Rest ist schon verteilt.


Morgen, 21 Uhr, Pumpe

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 27.01.2005 01:00