Sternzeichen Zorro und Zeitvertreib im Green Fields

 

„Träumst du immer noch den Traum vom Glück?“ Sternzeichen Zorro wollen das in einem ihrer Songs wissen, denn auch die Kieler träumen: den Traum vom Rockstar, von ausverkauften Hallen und tobenden Fans. Doch aller Anfang ist schwer. Beim Doppelkonzert im Green Fields am Nordmarksportfeld wird zumindest die Bandfreundschaft zu den Kollegen von Zeitvertreib zementiert.

Schön zu sehen, wie sich beide Gruppen gegenseitig anfeuern, nach mehreren gemeinsam absolvierten Auftritten die Texte mitsingen können und auch auf der Bühne beispielsweise als Percussionisten eingespannt werden. Der Termin ist dagegen unglücklich gewählt. Angesichts der Honky-Tonk-Konkurrenz an diesem Abend ist es nicht verwunderlich, dass die Zuschauerzahl, nun ja, überschaubar bleibt. Doch die Kumpels und Freundinnen sind gekommen, um gleich bei Zeitvertreib die mangelnde Resonanz durch verstärktes Engagement auszugleichen. „Feuereifer“, „Schlag auf Schlag“ oder „Größenwahnsinn“ heißen die Titel der fünfköpfigen Formation, bei denen besonders Sänger Heiko hervorsticht.

Hüpfend zieht er mit Schellenkranz durch die ersten Reihen, und wenn mit Nachdruck und Verve die Textzeilen proklamiert werden, dann kommen ehrbare Musiker wie Thomas Hein von den Fehlfarben oder Rio Reiser in den Sinn. Musikalisch dominieren klare Riffs, klare Arrangements, und selbst eine Chill-Out-Passage voll psychedelisch verzerrter Gitarren - auf einer immer wiederkehrenden Basslinie aufbauend - wird eingestreut.

Dank der zweiten Gitarre ermöglicht das Songwriting jedenfalls mehr Variabilität als bei Sternzeichen Zorro. Die sind nur ein Trio: Jan „Jenny“ Steen (Gitarre und Gesang), Torben Roßburg (Bass und Gesang) und Sebastian Bork (Schlagzeug). Seit Anfang letzten Jahres widmen sie sich kraftvollem Deutschrock mit deutlichen Punk-Elementen. Ein Album in Eigenarbeit steht kurz vor der Fertigstellung, das dann mit der Hoffnung auf einen Vertrag an Plattenfirmen geschickt werden soll. Zu dritt ist das Songwriting klar abgesteckt, jeder weiß um seine Funktion innerhalb der Band. Wenn es klappt, ist es geradlinig und direkt; wenn nicht, hört man sofort, woran es jeweils hapert.

Schnell und energisch geht es durch die Songs, die mit zweistimmigem Gesang aufgewertet werden und über Gummipuppen, die Zeugen Jehovas oder Satans Sohn erzählen. Ein Spagat zwischen Gaga-Humor (Torben trägt zeitweise eine Damenstrumpfhose auf dem Kopf) und ernsthaften Ambitionen, der noch etwas ungelenk wirkt - aber nach vier Auftritten steht das jeder Band zu. Der Traum darf weitergeträumt werden.